Blog
Herzlich willkommen auf dem Blog des VKHD e.V.
Mein Leben als gefährlichste Person Deutschlands
Eine Homöopathin berichtet aus dem Zentrum der Republikgefährdung
Es ist ein eigenartiges Gefühl, morgens aufzuwachen und zu wissen, dass man, folgt man der Dramaturgie mancher Debatten, nicht einfach nur in den Tag startet, sondern womöglich einen nicht unerheblichen Beitrag zur Erosion der Vernunft leistet. Noch bevor der erste Tee durchgezogen ist, steht bereits der Vorwurf im Raum, hier arbeite jemand an der Unterwanderung des aufgeklärten Denkens. Und das mit nichts weiter als einem Terminkalender und der kühnen Behauptung, Individualität sei relevant.
Der arzneimittelrechtliche Binnenkonsens: Wirklichkeit, Agendasetting und Wirkmacht der Narrative
Die Bundesdelegiertenkonferenz der Partei Bündnis 90 / Die Grünen hatte am 28.11.2025 den Beschluss getroffen, homöopathische und anthroposophische Behandlungen und Präparate künftig aus der Erstattung durch gesetzliche Krankenkassen herauszunehmen. So fraglich die hier behaupteten Kostenersparnisse sind, so versteht doch jeder, was gemeint ist. Rätselhafter scheint die Forderung, den sogenannten „Binnenkonsens“ zu überarbeiten oder womöglich abzuschaffen. Was ist da vor allem Rhetorik und was bedeutet der Binnenkonsens wirklich? Stimmt es, dass homöopathische Arzneimittel mit der neuen Parteilinie der Grünen bald ganz verschwinden könnten? Was bleibt zu tun? – Fragen und Antworten zum Binnenkonsens und anderen Narrativen.
Die Beschlüsse des grünen Parteitags1 sind – wenngleich parteiintern weiter zu klären und noch lange kein Gesetz – mehr als ärgerlich und sie folgen einer langfristigen „skeptischen“ Strategie. Patientinnen und Patienten, die einst grün wählten, sind fassungslos. Was da nicht ganz zutreffend als Binnenkonsens bezeichnet wird, ist uns wichtig, übrigens auch für die Zulassung phytotherapeutischer Arzneimittel. Aber es ist zu einem bestimmten Teil auch Rhetorik und Symbolpolitik. Fielen die damit gemeinten Kommissionen weg, würden unsere Arzneimittel deswegen nicht einfach plötzlich verschwinden. Der Arzneimittelstatus sowie die Zulassung beziehungsweise Registrierung homöopathischer und anderer natürlicher Arzneimittel sind tief in der Gesetzgebung verankert. Registrierungen ohne Indikationsangabe – bei traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln sogar mit eingeschränkten Indikationshinweisen – wären beispielsweise überhaupt nicht betroffen.
„Grün“, die Homöopathie und die ökologische Bewegung
Grüne Beschlüsse, Symbolpolitik und Binnenkonsens, wie Ideen sich gegen sich selbst wenden und die Vision einer Ökosophie
Dieser Essay von Carl Classen braucht etwas Zeit zum Lesen. Die fachliche, politische und auch kulturelle „Fallanalyse“ sowie die Entwicklung neuer Perspektiven lohnen es aber.
„Grün“, ist das nicht längst durch? Einen Blick lohnt der vom Parteitag der Grünen infrage gestellte „Binnenkonsens“. Tiefer reicht die Analyse gemeinsamer Wurzeln der ökologischen Bewegung und des Aufschwungs von Homöopathie und Naturheilkunde seit den 1970er-Jahren. Die seither beobachteten grünen Kulturbrüche konfrontieren uns mit dem Phänomen der „ideellen Inversion“, der Verkehrung einer Idee. Neue Bewegung aber braucht nicht neue Parteien, sondern tiefgreifend neue Denk- und Handlungsweisen. Nicht nur die Homöopathie, sondern das Leben selbst braucht eine geistoffen lebensnahe Wissenschaft und Weisheit, braucht Schritte von der bilanzierenden Ökologie hin zu einer Ökosophie.
Prävention in der homöopathischen Praxis
Nach unserer Erfahrung ist die Homöopathie nicht nur therapeutisch, sondern auch präventiv eine relevante Option in der Medizin. Von der Politik ist zu erwarten, dass sie dies entsprechend anerkennt und berücksichtigt.
Im April 2025 verabschiedeten CDU, CSU und SPD ihren Koalitionsvertrag. Hinsichtlich der Gesundheitspolitik findet sich eine bemerkenswerte Passage: „Wir unterstützen Forschung und Versorgung zu Naturheilkunde und Integrativer Medizin zur Präventionsförderung.“ Überhaupt wird Prävention im Verlauf des Vertrags in vielen Bereichen erwähnt: beim Sport, beim Arbeitsschutz sowie hinsichtlich der mentalen Gesundheit junger Menschen oder wenn es um die Einrichtung einer „Nationalen Biobank“ geht. Fast schon in Vergessenheit geraten scheint dabei die Tatsache, dass es bereits seit 2015 sogar ein „Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention“ gibt.
Patientinnen und Patienten gibt es nicht
Die Überwindung der grammatikalischen Leideform und übersehene Türen
„Machst du dich nicht selbst arbeitslos, wenn du mit Homöopathie dann alle geheilt hast?“ – so witzelten einige, als ich 1992 meine erste Praxis eröffnete. Es war eine Zeit hochgesteckter Erwartungen; ich war etwas bescheidener. Heute bleibt dann schon die Frage, wie zumindest einige der vielen Millionen Menschen, denen unser Gesundheitssystem nur eingeschränkt weiterhelfen kann, besser zu uns finden könnten. Neben der Methodik könnte auch unser Selbstverständnis einen Anteil daranhaben. Ich möchte hier weder Mangelgefühle noch Marketingstrategien bearbeiten, sondern Türen öffnen und Perspektiven erweitern. Zu erkunden sind unsere Chancen im Niemandsland zwischen Versorgungsmedizin, esoterischen Märkten und Eigenwirksamkeit. Sollten wir uns Letzterer näher fühlen, besteht die Frage nach Entwicklungsmöglichkeiten auch in der Ansprache von „Patienten“ und „Patientinnen“ – wobei diese Wortprägung schon nicht mehr ganz passt.
Homöopathie, Esoterik und der Glaube an die große Verschwörung
Kritiker der Homöopathie verbinden die Anwendung der homöopathischen Therapie häufig mit Esoterik und dem Glauben an Verschwörungstheorien. Hier eine Erklärung, wie es zu diesem Missverständnis kommt.
Der Begriff Esoterik hat sich über die Jahrhunderte gewandelt. Während er ursprünglich für geheimes Wissen innerhalb philosophischer Schulen stand, wird er heute oft abwertend für nicht-wissenschaftliche Lehren genutzt. Die Homöopathie war jedoch nie ein solches Geheimsystem – sie war von Anfang an öffentlich zugänglich und methodisch begründet.





