Milbenbefall: Oft übersehene Ursache für Lidrandentzündungen
Milbenbefall: Oft übersehene Ursache für Lidrandentzündungen
Juckende, brennende oder gerötete Augen werden schnell einem Trockenen Auge oder einer Lidrandentzündung zugeschrieben. Doch dahinter können auch winzige Mitbewohner stecken: Demodex-Milben. Studien zufolge ist ein krankhafter Befall häufiger als angenommen und bleibt dennoch oft unerkannt. Woran sich die Milben erkennen lassen und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen, erläutert eine Expertin der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft.
Demodex-Milben, kleine Spinnentiere, gehören zur natürlichen Hautflora des Menschen und leben überwiegend auf behaarten Arealen. Problematisch für die Augen wird ihr Auftreten, wenn sie massiv Wimpernwurzeln, Talg- und Liddrüsen besiedeln und Entzündungen am Lidrand und der Augenoberfläche verursachen. Wie Untersuchungen zeigen, ist das häufiger der Fall als bisher angenommen. „Einen krankhaften Befall mit Demodex-Milben weisen 55 Prozent der Patientinnen und Patienten auf, die eine Augenarztpraxis aufsuchen“, berichtete Privatdozentin Dr. med. Christina Jacobi vom Augen & Haut Zentrum Nürnberg. Mit dem Alter steigt das Risiko weiter an. „Dennoch bleibt der vermehrte Milbenbefall leider häufig unerkannt“, stellte die DOG-Expertin fest.
Typische Beschwerden werden oft falsch eingeordnet
Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die milbenbedingte Lidrandentzündung oft mit Trockenem Auge allein, der entzündlichen Hauterkrankung Rosazea, einer allergischen Reizung oder einer unspezifischen Lidrandentzündung verwechselt wird. Viele Patientinnen und Patienten werden deshalb über längere Zeit ohne nachhaltigen Erfolg behandelt. Wenn sich Augenbeschwerden wie Juckreiz, Brennen, Fremdkörpergefühl und schwankende Sehfähigkeit trotz Tropfen, Salben oder allgemeiner Lidpflege nicht bessern, sollte auf augenärztlicher Seite gezielt nach einem verstärkten Milbenbefall als Ursache gesucht werden.Zylindrische Schuppen als entscheidender Hinweis
Für die frühzeitige Diagnose sei häufig bereits eine genaue Untersuchung des Wimpernansatzes mit der Spaltlampe ausreichend, erläuterte Jacobi. Typisches klinisches Zeichen seien sogenannte Kollaretten, also Schuppen, die die Wimpern wie ein kleiner Kragen umschlössen. Diese Ablagerungen gälten als hochspezifischer Hinweis auf eine Demodex-Blepharitis. Besonders gut ließen sich die Milben am oberen Lidrand erkennen, wenn die Patient nach unten blickten. Zur Absicherung könne eine Wimper entnommen und die Milbenzahl anschließend mikroskopisch bestimmt werden.Tägliche Lidrandpflege mit Teebaumöl-Präparaten
Als derzeit beste verfügbare Behandlung gelte eine tägliche Lidrandpflege mit Teebaumöl-haltigen Präparaten. Sie solle die Milbenlast reduzieren und Entzündungen eindämmen. Präparate mit dem Wirkstoff Terpinen-4-ol seien als Schaum, Gel oder gebrauchsfertige Einmaltücher rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Bei der Anwendung sollten die Augen geschlossen und Lidrand sowie Wimpernansätze vorsichtig mit einem Tuch oder benetzten Wattestäbchen gereinigt werden. Dabei sollten die schuppigen Ablagerungen entfernt und der Wirkstoff nicht abgespült werden. Anschließend könnten die Lidranddrüsen zusätzlich sanft mit sauberen Fingern oder einem Wattetupfer massiert werden.Entscheidend sei eine konsequente tägliche Anwendung über mindestens vier bis sechs Wochen, um den gesamten Lebenszyklus der Milben abzudecken, betonte die Augenärztin.
Weitere Verfahren – und ein neues Medikament in den USA
Zusätzlich können weitere Verfahren gegen die Parasiten eingesetzt werden, etwa eine gründliche, augenärztliche Reinigung der Lidkante oder eine Behandlung mit Lichtimpulsen. Auch das Auftragen der entzündungshemmenden Wirkstoffe Ivermectin oder Metronidazol zeigt Wirksamkeit gegen Demodex-Milben, zählt jedoch zu den Off-Label-Therapien. „Diese Optionen können sinnvoll sein, ersetzen aber nicht die regelmäßige Lidrandhygiene als Basis der Behandlung“, sagte Jacobi.Vielfach verkannt
Jacobi zufolge stehe mit den Teebaumöl-Wirkstoffen eine vergleichsweise preiswerte und effektive Therapie gegen die Parasiten zur Verfügung. Die DOG-Expertin betonte zudem, Milben am Auge seien keine bloße Kuriosität, sondern eine reale und vielfach verkannte Ursache chronischer Augenbeschwerden, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen könne.Relevanz für die homöopathische Behandlung?
Für die homöopathische Behandlung könnten diese Befunde insofern relevant sein, als ein bislang unerkanntes organisches Geschehen die Beurteilung chronischer Augenbeschwerden auch hinsichtlich des homöopathischen Vorgehens beeinflussen kann. Grundsätzlich noch ungeklärt ist ja die Frage, ob oder unter welchen Umständen eine homöopathische Therapie bei Parasitosen allgemein effizient sein kann, wenn also die Selbstregulationskräfte außer Stande sind, erst einmal etablierte Parasiten zu beseitigen. Womöglich erklärt ein parasitärer Hintergrund auch „Therapieversager“? Außerdem stellen Lidrandentzündungen in der homöopathischen Praxis oft ein so genanntes „Nebensymptom“ dar. Hier könnte es bei der Beurteilung des Behandlungsverlaufs eine Rolle spielen, wenn bei einer allgemeinen Zustandsverbesserung diese einzelne Beschwerde (vielleicht wegen der parasitären Genese) nicht reagiert. (Stefan Reis)Literatur
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Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)





