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Phagentherapie: Neue Leitlinie schafft Rahmen für individuelle Behandlung

Phagentherapie: Neue Leitlinie schafft Rahmen für individuelle Behandlung Phagentherapie: Neue Leitlinie schafft Rahmen für individuelle Behandlung AdobeStock # 2049679891 © Вячеслав Кравченко
Antibiotikaresistente Infektionen stellen die Medizin vor große Herausforderungen. Eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie hat nun erstmals einen abgestimmten Rahmen für die personalisierte Phagentherapie vorgelegt. Die Leitlinie beschreibt unter anderem Anforderungen an Phagenauswahl, Qualitätskontrolle, Anwendung und Monitoring – und zeigt zugleich, wo noch Forschungsbedarf besteht.


Mit der Leitlinie liegt erstmals ein international abgestimmter Rahmen für die klinische Anwendung personalisierter Phagentherapien vor. Bislang fehlten einheitliche Empfehlungen für zentrale Schritte der Behandlung und Qualitätsstandards für den Einsatz von Phagen als Therapeutika.

Eine Therapieoption für schwer behandelbare Infektionen

Antibiotikaresistente Bakterien erschweren weltweit die Behandlung von Infektionen. Bakteriophagen – kurz Phagen – sind Viren, die Bakterien gezielt infizieren und abtöten können. Anders als viele Antibiotika wirken sie meist nur gegen bestimmte Bakterienarten oder einzelne Stämme. Vor einer Behandlung muss daher geprüft werden, ob ein geeigneter Phage gegen den jeweiligen Erreger wirksam ist.

Eine personalisierte Phagentherapie kann insbesondere dann in Betracht gezogen werden, wenn etablierte Behandlungsmöglichkeiten nicht wirken, nicht verfügbar oder nicht geeignet sind. Die bisherige klinische Forschung weist auf ein günstiges Sicherheitsprofil hin, wenn Phagen nach geeigneten Qualitätsstandards hergestellt und angewendet werden. Ihre Wirksamkeit ist jedoch noch nicht ausreichend durch kontrollierte klinische Studien belegt. Die neue Leitlinie versteht Phagentherapie daher als individuell zu prüfende Therapieoption und nicht als allgemein verfügbare Standardbehandlung.

Beobachtungsdaten liefern erste Hinweise auf mögliche Behandlungserfolge: In einer belgischen Fallserie mit 100 behandelten Menschen verbesserte sich der klinische Zustand bei 77 Prozent; bei 61 Prozent waren die behandelten Bakterien anschließend nicht mehr nachweisbar. Solche Daten ersetzen jedoch keine kontrollierten klinischen Studien.

Einheitliche Abläufe für eine individuelle Therapie

Da Phagen sehr spezifisch auf ihre bakteriellen Wirte reagieren, muss für jeden Behandlungsfall ein geeigneter Phage identifiziert und seine Wirksamkeit gegen den aktuellen Bakterienstamm überprüft werden. Die Leitlinie empfiehlt, jeden Fall interdisziplinär mit den behandelnden Ärzt*innen, der klinischen Mikrobiologie und ausgewiesenen Phagenexpert*innen zu bewerten. Vor Beginn der Behandlung soll möglichst zeitnah untersucht werden, ob der Phage gegen den aktuellen Bakterienstamm wirkt – der sogenannte Phagenmatch. Das ist wichtig, weil sich die Empfindlichkeit von Bakterien im Verlauf einer Infektion verändern kann. Bei Infektionen mit mehreren Erregern sollen alle relevanten Bakterien untersucht werden.

Auch die Zusammenarbeit zwischen Laboren, Einrichtungen zur Phagenherstellung, Apotheken und klinischen Teams wird beschrieben. Einheitliche Prüfverfahren und regelmäßige Vergleichstests sollen die Qualität und Vergleichbarkeit der Ergebnisse verbessern. Behandlungsfälle sollen zudem systematisch dokumentiert und in Register eingetragen werden, um Erfahrungen aus der klinischen Anwendung auszuwerten und offene Forschungsfragen gezielter zu bearbeiten. Die Standardisierung von Qualitätskriterien zur Herstellung von Phagen für die personalisierte Anwendung sowie die Benennung infrastruktureller Voraussetzungen sind laut Leitlinienautor*innen essenzielle Bestandteile der Leitlinie und wichtige Voraussetzungen für verlässliche Behandlungen.

Umsetzung in die klinische Praxis

Die Entwicklung an der Universitätsmedizin Frankfurt zeigt, wie die Umsetzung in der klinischen Praxis aussehen kann: Seit Februar 2026 wurden dort zehn Patient*innen im Rahmen einer leitliniengerechten Phagentherapie erfolgreich behandelt. Dabei kommen individuell ausgewählte Phagen unter anderem gegen Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus zum Einsatz. Je nach klinischer Situation können die Phagen beispielsweise intravenös, zur Inhalation oder als Nasenspray verabreicht werden. Auch die Anwendung als steriles Hydrogel ist möglich.

Die Leitlinie finden Sie hier. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/092-003

Anmerkung

Als homöopathisch arbeitende Heilpraktiker*innen kennen wir natürlich die Vorzüge einer homöopathischen Behandlung von Infektionen (sofern wir aus juristischen Gründen nicht daran gehindert werden). Aber es ist ja erfreulich, wenn die Alternative nicht zwingend Antibiose heißen muss – erfreulich erst recht in den Fällen, in denen kein wirksames Antibiotikum zur Verfügung steht. (Stefan Reis)

Quelle: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
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