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Die Wiederauferstehung einer Studie

Die Wiederauferstehung einer Studie Die Wiederauferstehung einer Studie Fotolia #60665964 © aeroking
Ehrlich gesagt, staunte ich nicht schlecht, als vor Kurzem die im November 2025 von den Herausgebern des „Oncologist“ zurückgezogene Krebs-Studie von Michael Frass wieder (bzw. nach Überarbeitung) das Licht der Welt erblickte. Zumal die Publikation nun in einem durchaus angesehenen Springer Nature-Journal (Supportive Care in Cancer) erfolgte [1].


Aber von vorne: 2020 erschien in der angesehenen Fachzeitschrift „The Oncologist“ eine Studie des renommierten Arztes und Forschers Prof. Dr. Michael Frass zur additiven homöopathischen Behandlung von an nicht-kleinzelligem Lungenkrebs erkrankten Menschen. [2] Die Studie war randomisiert, doppelblind, dreiarmig und multizentrisch angelegt und entsprach insofern höchsten wissenschaftlichen Standards. Zu den Ergebnissen zählten eine bessere Lebensqualität und ein längeres Überleben der Krankheit unter individualisierter homöopathischer Behandlung.

Es wunderte natürlich niemanden, dass von Seiten der so genannten Skeptiker massive Kritik an dieser Studie geäußert wurde. Einige Kritikpunkte waren offenbar auch valide, was zu zwei Korrekturen der Arbeit durch die Autor*innen führte. Das reichte zwar vorerst den Herausgebern des „Oncologist“ (die aber leider, wie sie in einem Editorial zeigten, von den Grundlagen der Homöopathie überhaupt keine Ahnung hatten und insofern die Arbeit auch nicht wirklich beurteilen konnten [3]), doch blieben die Kritiker hartnäckig und – long story short – nach fünf Jahren entschied sich das Blatt zu einer „retraction“ der Arbeit. Zu den Gründen und deren Bewertung hat Michael Frass mittlerweile Stellung bezogen [4].

Die aktuelle Veröffentlichung in „Supportive Care of Cancer“ ist weder ein Reprint, noch eine neue Studie. Vielmehr haben Frass und seine Co-Autor*innen die Daten der früheren Studien noch einmal neu ausgewertet und dabei strengere Maßstäbe angelegt. Sie kommen so zwar zu einigen etwas vorsichtigeren Formulierungen, aber die Grundaussage bleibt bestehen: Als begleitende Therapie bei an nicht-kleinzelligen Lungentumor erkrankten Patient*innen kann eine individualisierende homöopathische Behandlung zu einer Verbesserung der Lebensqualität sowie zu einem verlängerten Überleben der Krankheit beitragen.

Wie umsichtig die Autor*innen bei der Neuauswertung vorgingen, zeigt auch folgendes Detail: Die ursprüngliche Studien fand im Zeitraum von 2012 bis 2017 statt; diesem Umstand (v. a. hinsichtlich des damals üblichen bzw. möglichen onkologischen Therapieregimes) tragen sie insofern Rechnung, als dass nicht nur weiterführende Studien gefordert werden, sondern diese dann auch additiv zu aktuellen immuntherapeutischen Ansätzen durchgeführt werden sollen.

Wie zu erwarten, schäumen die Skeptizisten bereits vor Wut und titulieren Frass‘ Arbeit (offenbar ohne die Aktualisierungen zu kennen) als „Zombie-Studie“, die Veröffentlichung werde „nicht ohne Konsequenzen bleiben“ und „die Mühlen mahlen schon“ [5].

Ich bin ja kein Wissenschaftler und kann insofern keine eigene Expertise zur Studie abgeben. Es ist auch gar nicht unsere Aufgabe als Homöopath*innen, Studien hinsichtlich aller Rohdaten, jeder Software-Formel oder einzelner Rechenoperationen im Detail zu evaluieren. Ich vertraue da auf die Herausgeber des angesehenen [6] wissenschaftlichen Journals „Supportive Care of Cancer“, denen die Vorgeschichte der Publikation (Korrekturen – expression of concern – retraction) bekannt war. Vor der Veröffentlichung durchlief das Manuskript zudem noch einen peer review.

Abgesehen von der Studienlage möchte ich an dieser Stelle noch einmal die Erfahrungen aus der Praxis in die Waagschale legen. Immerhin stellen sie eine der drei Säulen evidenzbasierter Medizin dar. Und hier bestätigen die Erfahrungen, die wir (nicht nur) mit an Krebs erkrankten Menschen machen exakt das, was Michael Frass und seine Kolleg*innen in dieser aufwändigen Studie nachwiesen. Schon klar: Unsere Kasuistiken sind alles „nur“ Einzelfälle, aber die Tatsache, dass sie wissenschaftlich kein Gewicht haben, macht sie ja nicht ungeschehen. Meine regelmäßige Erfahrung mit konventionellen Onkolog*innen ist übrigens, dass sie ihre Patient*innen in sehr pragmatischer Weise überall dort unterstützen, wo diese ihre Genesung gefördert sehen, sofern sie nicht die onkologische Leitlinientherapie vernachlässigen oder Verfahren anwenden, die damit negativ interagieren (oder die grundsätzlich gesundheitsschädlich sind). Mir scheint die Diskussion um die Studie von Michael Frass und überhaupt um komplementärmedizinische Behandlungen bei derart schweren, von keiner medizinischen Disziplin bislang entscheidend beherrschten Pathologien schon seit Langem in einem Elfenbeinturm stattzufinden, zu dem die Patient*innen gar keinen Zutritt haben. Etwas mehr Demut täte der Sache sicher gut.

Quellen

  1. https://doi.org/10.1007/s00520-026-11154-3
  2. https://doi.org/10.1002/onco.13548
  3. https://doi.org/10.1093/oncolo/oyae252
  4. https://www.homoeopathie-online.info/warum-die-studie-von-prof-frass-zurueckgenommen-wurde/
  5. https://skeptix.org/2026/09/16/ein-homoeopathie-debakel-mutiert-zur-zombie-studie/
  6. https://journalsearches.com/journal.php?title=supportive care in cancer


Stefan Reis
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