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Langsames Atmen kann Entscheidungsverhalten beeinflussen

Langsames Atmen kann Entscheidungsverhalten beeinflussen Langsames Atmen kann Entscheidungsverhalten beeinflussen Fotolia #24216381 ©Robert Kneschke
Eine aktuelle zeigt erstmals, dass die gezielte Steuerung des Atemrhythmus das menschliche Entscheidungsverhalten beeinflussen kann. Demnach kann eine verlängerte Ausatmung über Veränderungen der Herz- und Gehirnfunktion die Belohnungssensitivität des Gehirns erhöhen und dadurch die Bereitschaft zu mutigeren Entscheidungen fördern.


Wer kennt das nicht: Das Herz rast, der Atem wird schneller und eine Entscheidung muss dringend getroffen werden. Wer unter diesen Umständen urteilen muss, tendiert dazu, vorsichtiger zu handeln, um einen möglichen Schaden zu verringern - sei es bei Investitionen unter Zeitdruck, beim kritischen Mitarbeitergespräch oder bei der schnellen Auswahl einer Mahlzeit. Im Gegensatz dazu könnte langsames Atmen und ein ruhigeres Herz vermutlich dazu führen, die Situation positiver zu beurteilen und mutigere Entscheidungen zu treffen.

Neuer Blickwinkel: Körper, Gehirn und Entscheidung im Einklang

Traditionelle Vorstellungen sehen Entscheidungen vor allem als Vorgänge im Gehirn. Die Studie untersuchte hingegen, wie das Zusammenspiel verschiedener Organe den Zustand des Gehirns beeinflusst und dadurch Entscheidungsprozesse mitbestimmen kann. Die Forschungsarbeit entstand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) in Kooperation mit dem Neurowissenschaftlichen Forschungszentrum der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Freien Universität Berlin und dem Schifffahrtsmedizinischen Institut der Marine. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob eine bewusste Regulierung körperlicher Prozesse, etwa durch gezielte Atemsteuerung, die Entscheidungsqualität aktiv steuern kann.

In der Studie wurden 41 gesunde Teilnehmer*innen in einem hochmodernen Forschungssetting dabei beobachtet, wie sie unter Einhaltung festgelegter Atemprotokolle risikoreiche Entscheidungen trafen. Die Proband*innen folgten visuellen Atemhinweisen und atmeten entweder in ihrem individuellen natürlichen Atemrhythmus oder langsamer mit einer verlängerten Ausatmung. Während sie geatmet haben, wurden sie gebeten, mehrere Risikoentscheidungen zu treffen. Während der Untersuchung erfassten die Forschenden mithilfe funktioneller Magnetresonanztomographie die Gehirnaktivität und zeichneten parallel verschiedene körperliche Signale wie Atmung, Herzaktivität, Hautleitfähigkeit und Pupillenreaktionen auf. Die Kombination der Messdaten ermöglichte es, zu untersuchen, ob eine verlängerte Ausatmung nicht nur die Herzfrequenz beeinflusst, sondern auch die Belohnungsverarbeitung im Gehirn gezielt verändert.

Die Wissenschaftler*innen stellten fest, dass eine verlängerte Ausatmung über eine Verlangsamung des Herzschlags zu risikoreicheren Entscheidungen führte. Dabei wurden Risikoentscheidungen stärker durch potenzielle Belohnungen beeinflusst, während die Berücksichtigung möglicher Verluste unverändert blieb. Zudem zeigte sich eine erhöhte Aktivität im ventro-medialen präfrontalen Kortex und im Precuneus-Areal, zwei Gehirnregionen, die mit Herzfrequenzvariabilität und Belohnungssensitivität in Verbindung stehen.

Praktischer Nutzen von Atemtechniken

Die gewonnenen Erkenntnisse erweitern das Forschungsfeld der Körper-Gehirn-Interaktion und stützen sogenannte neuroviszerale Modelle, die besagen, dass der Zustand des Körpers kognitive Prozesse stark mitprägt. Die Studie liefere den wissenschaftlichen Beweis, dass es sich bei Atemtechniken um verlässliche und gezielte Methoden handele, die unsere Entscheidungen steuern könne, so die Wissenschaftler*innen.

Atemtechniken stellen somit eine einfache, kostengünstige und leicht erlernbare Option zur Selbstregulation im Alltag dar. Zudem könnten sie auch in klinischen Settings als ergänzende, nicht-pharmakologische Strategie wertvoll sein – beispielsweise bei Erkrankungen wie Angststörungen oder Depression, die durch autonome Dysregulation und veränderte Belohnungswahrnehmung gekennzeichnet sind.

Im nächsten Schritt sollte untersucht werden, ob sich die beobachteten Effekte auch auf eine breitere klinische Population, z. B. Menschen mit Übergewicht, übertragen lässt.

Originalpublikation

Huang W, Schmidt M, Rebollo I et al. Slow breathing impacts inter-organ dynamics modulating brain function and risk behavior. Neuron 114, 1–10 (2026) [Open Access]: https://www.biorxiv.org/content/10.64898/2026.01.09.698695v1

Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
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