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Psilocybin in der Behandlung von Depressionen

Psilocybin in der Behandlung von Depressionen Psilocybin in der Behandlung von Depressionen AdobeStock #1843730055 ©VDenis Yevtekhov
Zwei aktuelle Studien untersuchten die antidepressive Wirkung von Psilocybin. Sie zeigen einerseits, dass eine Therapie mit Psilocybin in Kombination mit Psychotherapie signifikante Effekte über mindestens zwölf Monate hat. Psilocybin zeigt zudem auch unter klinischen Routinebedingungen eine deutliche antidepressive Wirkung.


Die Major Depression gehört weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und ist mit einer erheblichen individuellen und gesellschaftlichen Krankheitslast verbunden. Trotz einer breiten Verfügbarkeit pharmakologischer und psychotherapeutischer Behandlungsoptionen bleibt bei etwa 30–50 % der Betroffenen eine therapieresistente oder schwer behandelbare Depression bestehen. Diese Patientengruppe stellt eine zentrale Herausforderung der modernen Psychiatrie dar, insbesondere hinsichtlich langfristiger Wirksamkeit. Zudem werden neue Therapieansätze gesucht. Dazu zählt auch der Einsatz psychedelischer Wirkstoffe wie Psilocybin.

Forschende untersuchen Wirksamkeit einer Psilocybin-Therapie in Kombination mit einer Psychotherapie
Eine Langzeitnachbeobachtung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der MIND Foundation hat aktuell zum Beispiel mit der sogenannten EPIsoDE-Langzeitstudie die langfristige Wirksamkeit einer Therapie von Psilocybin in Kombination mit einer Psychotherapie über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten untersucht [2]. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Psilocybin mit begleitender Psychotherapie bei Menschen mit therapieresistenter Depression zu langfristigen Verbesserungen der depressiven Symptomatik führen kann. Die antidepressiven Effekte hielten über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten an. Die Behandlung umfasste neben den Psilocybin-Sitzungen ein strukturiertes psychotherapeutisches Setting mit Vorbereitungs- und Integrationssitzungen.

An der Studie nahmen 144 Patient*innen mit therapieresistenter Depression teil. 126 von ihnen wurden in die Langzeitanalysen über sechs und zwölf Monate einbezogen. Alle Teilnehmenden hatten im Rahmen der klinischen Studie mindestens eine Behandlung mit 25 mg Psilocybin in Kombination mit einer psychotherapeutischen Begleitung erhalten.

Langfristige Effekte auch nach Berücksichtigung späterer Antidepressiva-Einnahmen stabil

Die depressive Symptomatik blieb über den gesamten Beobachtungszeitraum im Durchschnitt deutlich reduziert. Erfasst wurde dies unter anderem mit der international etablierten Hamilton Depression Rating Scale (HAMD17), einem klinischen Instrument zur Bewertung depressiver Symptome. Auch nach zwölf Monaten waren die depressiven Symptome auf der HAMD17-Skala im Durchschnitt um etwa acht Punkte geringer als vor der Behandlung. Dies gilt als klinisch bedeutsame Verbesserung der Symptomatik.

Besonders relevant ist dabei die Tatsache, dass die beobachteten antidepressiven Effekte auch dann bestehen blieben, wenn statistisch berücksichtigt wurde, ob Teilnehmende nach der Studientherapie erneut klassische Antidepressiva einnahmen.

Psilocybin wird im Gegensatz zu klassischen Antidepressiva nicht dauerhaft eingenommen. Hier wurde sie in wenigen Sitzungen in Kombination mit begleitender Psychotherapie verabreicht. Dies mache die Ergebnisse ihrer Analyse besonders bemerkenswert, erklärt die Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin am ZI, Lea Mertens. Dabei spiele die psychotherapeutische Einbettung vermutlich eine zentrale Rolle für die langfristige Verarbeitung und Integration der durch die Behandlung ausgelösten Erfahrungen. Das genaue Zusammenspiel psychologischer und biologischer Wirkfaktoren der Therapie sei allerdings weiterhin nicht ausreichend verstanden und bedürfe noch weiterer wissenschaftlicher Untersuchung.

Ergebnisse müssen vorsichtig interpretiert werden

Die Forschenden betonen zugleich, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssten. Bei der jetzt veröffentlichten Auswertung handelt es sich um eine Langzeitnachbeobachtung ohne zusätzliche Kontrollgruppe über den gesamten Zwölf-Monats-Zeitraum. Die Teilnehmenden konnten nach Abschluss der eigentlichen Studie wieder reguläre Behandlungen in Anspruch nehmen und es gab die Möglichkeit an einer fortlaufenden monatlichen Integrationsgruppe teilzunehmen.

Real-World-Studie [2]

Die bisherigen Evidenzen zum Thema Psilocybin und Depression stammen überwiegend aus stark standardisierten Studienumgebungen mit eng selektierten Patientenkollektiven und strikt definierten Behandlungsprotokollen. Offen blieb bislang, inwieweit diese Effekte unter Realbedingungen der psychiatrischen Versorgung sowie im Rahmen längerer Verlaufsbeobachtungen stabil bleiben. Dieser Frage ist nun die Real-World-Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich nachgegangen. Im Fokus stand die Frage, ob sich die in kontrollierten Studien beobachteten antidepressiven Effekte auch bei komplexeren Krankheitsfällen bei Patient*innen mit Komorbiditäten, Vorbehandlungen und variablen Therapieverläufen reproduzieren lassen. Zusätzlich sollte die praktische Umsetzbarkeit einer strukturierten Psilocybin-Therapie im Versorgungssystem evaluiert werden.

Deutliche Wirkung nachgewiesen
Die bis zu vier Psilocybin-Sitzungen sowie die Dosierung wurden therapeutisch individuell geplant, begleitet und mit den Patient*innen nachbesprochen. Die depressive Symptomatik wurde mit etablierten Fragebögen erfasst und ausgewertet. Vor der Behandlung mit Psilocybin hatten die 19 erwachsenen Patient*innen mit ausgeprägter therapieresistenter Depression und hoher Krankheitslast im Verlauf ihrer bisherigen Therapien im Schnitt fünf verschiedene Antidepressiva erfolglos ausprobiert.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen eine deutliche Reduktion der depressiven Symptome bei therapieresistenten Betroffenen, wobei die erste Sitzung jeweils die größte Wirkung erzielte. Bei den nachfolgenden Sitzungen blieb die Verbesserung weitgehend stabil. Schwerwiegende oder anhaltende Nebenwirkungen wurden nicht festgestellt.

Resultate in den klinischen Alltag übertragbar - weitere Forschung notwendig

Die klinische Untersuchung ergänzt die bisherige Evidenz um wichtige und wertvolle Erkenntnisse. Die meisten der Patient*innen erlebten eine markante Verbesserung ihrer Symptome. Der Therapieprozess sei jedoch sehr individuell, weshalb die Forschenden nun die prädiktiven Faktoren genauer untersuchen wollen, um besser voraussagen zu können, welche Patient*innen eine besonders große Chance haben, auf die Substanz anzusprechen und somit von einer Behandlung mit Psilocybin zu profitieren. Dies impliziere weitere gezielte klinische Studien zu neurophysiologischen Markern, zur optimalen Patientenauswahl, zur Anzahl und Frequenz der Sitzungen, zu Kosten-Nutzen-Einschätzungen, zu Langzeitwirkung und Sicherheit sowie zur therapeutischen Einbettung der Psilocybin-Behandlungen.

Anmerkung

Der Wirkstoff Psilocybin ist in einer ganzen Reihe von Pilzen enthalten, die über verschiedene Erdteile verbreitet sind. Bislang aber ist die Bedeutung dieser Species (oder auch des isolierten Wirkstoffs) in der Homöopathie äußerst gering. Erste Anhaltspunkte für einen therapeutischen Einsatz in potenzierter Form können (im weitesten Sinne naturheilkundliche) Anwendungsbeobachtungen wie die oben geschilderten natürlich bieten. Letzten Endes müsste aber eine systematische homöopathische Arzneimittelprüfung Aufschluss über die verwertbare Gesamtsymptomatik geben.
(Stefan Reis)

Originalpublikationen

  1. Mertens LJ et al. Long-Term Efficacy of Psilocybin with Adjunct Psychotherapy in Treatment-Resistant Major Depression (EPIsoDE): 6- and 12-Month Naturalistic Follow-Up of a Phase 2b Trial. Psychother Psychosom. 2026. DOI: 10.1159/000552272. https://doi.org/10.1159/000552272
  2. Jungwirth J, Westenhöfer S, Aicher H et al. Real-World Psilocybin Therapy for Treatment-Resistant Depression: A Retrospective Observational Study. The Lancet Regional Health – Europe, June 01, 2026,; 1: 101719. https://www.thelancet.com/journals/lanepe/article/PIIS2666-7762(26)00131-6/fulltext

Quellen: Psychiatrische Universitätsklinik Zürich und Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI)
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