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Tai Chi könnte langfristig gegen chronische Schlaflosigkeit helfen

Tai Chi könnte langfristig gegen chronische Schlaflosigkeit helfen Tai Chi könnte langfristig gegen chronische Schlaflosigkeit helfen Fotolia #70390028 ©Monika Wisniewska
Tai Chi, eine Kombination aus Bewegung und mentaler Konzentration, kann bei Menschen mittleren und höheren Alters mit chronischer Schlaflosigkeit ähnlich wirksam sein wie eine kognitive Verhaltenstherapie. Darauf weist eine aktuelle Studie aus Hongkong hin.


Nach Einschätzung der Forschenden sprechen die Ergebnisse dafür, Tai Chi als langfristige Behandlungsoption bei chronischer Schlaflosigkeit im höheren Lebensalter einzusetzen.

Chronische Schlaflosigkeit zählt zu den häufigsten Schlafstörungen bei älteren Erwachsenen und Menschen mittleren Alters. Sie wird unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Probleme und kognitive Einschränkungen in Verbindung gebracht.

Als bevorzugte Behandlung gilt bislang die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I). Allerdings ist diese Therapieform aufgrund hoher Kosten und eines Mangels an spezialisierten Therapeuten häufig nur eingeschränkt verfügbar.

Frühere Untersuchungen hatten bereits positive Effekte von Tai Chi auf Schlafstörungen gezeigt. Direkte Vergleiche mit etablierten Therapieformen wie der KVT-I fehlten bislang jedoch. Um diese Forschungslücke zu schließen, untersuchten die Wissenschaftler:innen, ob Tai Chi bei chronischer Schlaflosigkeit ähnlich wirksam ist wie die kognitive Verhaltenstherapie.

An der Studie nahmen 200 chinesische Erwachsene ab 50 Jahren teil, bei denen chronische Schlaflosigkeit diagnostiziert worden war. Die Teilnehmer wurden zwischen Mai 2020 und Juli 2022 in einem Forschungszentrum in Hongkong rekrutiert.

Alle Teilnehmenden konnten selbstständig gehen, litten an keinen chronischen Erkrankungen, die den Schlaf beeinflussen könnten, betrieben keine regelmäßigen intensiven körperlichen oder geistigen Aktivitäten und hatten zuvor keine KVT-I erhalten. Schichtarbeiter wurden ebenfalls ausgeschlossen.

Die Probanden wurden per Zufallsprinzip entweder einer Tai-Chi-Gruppe oder einer KVT-I-Gruppe zugeteilt. Die Teilnehmenden der KVT-I-Gruppen absolvierten über drei Monate hinweg zweimal pro Woche einstündige Gruppensitzungen mit insgesamt 24 Terminen.

Zur Bewertung der Schlaflosigkeit nutzten die Forschenden den sogenannten Insomnia Severity Index (ISI). Als Grenzwert zur Beurteilung der Nichtunterlegenheit wurde ein ISI-Schwellenwert von vier Punkten herangezogen.
Anhand des ISI erfassten die Forschenden unmittelbar nach den dreimonatigen Interventionen und bei der Nachuntersuchung nach 12 Monaten (Monat 15) unter anderem Einschlaf- und Durchschlafprobleme, frühes Erwachen, Probleme beim Wiedereinschlafen sowie die Auswirkungen der Schlafstörung auf den Alltag.

Zu Beginn der Studie wiesen beide Gruppen einen mäßigen Schweregrad der Schlaflosigkeit auf. Im dritten Monat zeigte die Tai-Chi-Gruppe eine Verringerung der ISI-Werte um 6,67 Punkte, während die KVT-I--Gruppe eine Verringerung um 11,19 Punkte verzeichnete, was zu einem Unterschied zwischen den Gruppen von 4,52 Punkten führte. Tai Chi wurde daher im dritten Monat als der KVT-I- unterlegen eingestuft.

Im 15. Monat betrugen die Reduktionen für die Tai-Chi- und die KVT-I-Gruppe 9,51 bzw. 10,18, was einem Unterschied zwischen den Gruppen von 0,68 entspricht. Zu diesem Zeitpunkt wurde Tai Chi als KVT-I-nicht unterlegen angesehen, da die obere Grenze innerhalb der Nichtunterlegenheitsmarge lag. Tai Chi und KVT-I zeigten zudem vergleichbare Vorteile hinsichtlich subjektiver Schlafparameter, Lebensqualität, psychischer Gesundheit und körperlicher Aktivität. Während des Interventionszeitraums traten keine unerwünschten Ereignisse auf.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die positiven Langzeiteffekte von Tai Chi möglicherweise damit zusammenhängen, dass viele Teilnehmer*innen die Übungen auch nach Ende der Studie fortsetzten. Zudem seien weitere Untersuchungen notwendig, um zu prüfen, ob sich die Ergebnisse auch auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen.

Dennoch ziehen die Forschenden ein positives Fazit: Tai Chi könne eine wirksame und langfristig praktikable Alternative zur Behandlung chronischer Schlaflosigkeit bei älteren Erwachsenen darstellen.


Originalpublikation

Siu MP, Yu DJ et al. Tai chi or cognitive behavioural therapy for treating insomnia in middle aged and older adults: randomised non-inferiority trial
MJ 2025;391:e084320. doi: https://doi.org/10.1136/bmj-2025-084320

Quelle: BMJ Group
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