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Aktuelle Studie zur Wirtschaftlichkeit von Komplementärmedizin

Aktuelle Studie zur Wirtschaftlichkeit von Komplementärmedizin Aktuelle Studie zur Wirtschaftlichkeit von Komplementärmedizin Fotolia #120427565 ©CrazyCloud
Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass die Gesundheitskosten bei Personen, die zusätzlich zu herkömmlicher Medizin auch Komplementärmedizin nutzen, anfangs zwar höher ausfallen. Über die Jahre gleichen sie sich aber überwiegend den Kosten der Vergleichsgruppe an, die ausschließlich herkömmliche Medizin anwendet.


Vor dem Hintergrund steigender Gesundheitsausgaben und eines zunehmenden Interesses von Patient*innen an ganzheitlichen Therapieansätzen rückt die Einbindung der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) in etablierte Gesundheitssysteme in vielen Ländern immer stärker in den Fokus. Angesichts der globalen Herausforderung, sowohl die Qualität der Behandlungsergebnisse zu verbessern als auch die Kosten im Gesundheitswesen zu begrenzen, ist ein fundiertes Verständnis der Nutzung von CAM sowie der damit verbundenen Ausgaben immer wichtiger.

Ziel einer aktuellen Studie der medizinischen Fakultät der Uni Genf und des Genfer Universitätsspitals war es deshalb, bestehende Wissenslücken vor allen Dingen in Hinsicht auf die besondere gesundheitspolitische Situation der Schweiz zu adressieren [1]. Im Einzelnen sollten die Faktoren identifiziert werden, die mit der Inanspruchnahme von Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) in der Schweiz zusammenhängen und regionale Unterschiede in der Anwendung dieser Therapien analysiert werden. Darüber hinaus wurde untersucht, ob die Nutzung von CAM mit einer geringeren Inanspruchnahme konventioneller medizinischer Leistungen (CM) verbunden ist. Dabei wurde berücksichtigt, ob die Kosten über die schweizerische Grundversicherung abgerechnet oder von einer Zusatzversicherung getragen wurden. Die Arbeit basiert auf Zahlen des Versicherers Groupe Mutuel und auf der Beobachtung von mehr als 200.000 Versichertenprofilen über einen Zeithorizont von fünf Jahren (2017–2021).

Die Studienautor*innen identifizierten mehrere zentrale Faktoren, die mit der Inanspruchnahme komplementär- und alternativmedizinischer Verfahren (CAM) in der Schweiz verbunden sind. So zeigten demografische Merkmale wie weibliches Geschlecht und höheres Alter eine erhöhte Nutzung von CAM, was im Einklang mit der bestehenden Literatur steht. Auch der sozioökonomische Status erwies sich als bedeutender Prädiktor. Die Inanspruchnahme komplementär- und alternativmedizinischer Leistungen unterschied sich deutlich je nach Versicherungsmodell: 59 % (481.176 von 816.080) nutzten CAM im Rahmen einer Zusatzversicherung, während 2,2 % (18.023) sie im Rahmen der die Grundsicherung in Anspruch nahmen. Darüber hinaus zeigte sich, dass sich die Nutzungsmuster je nach Versicherungsart deutlich unterschieden: CAM-Leistungen, die über die Grundversicherung bezogen wurden, wurden überwiegend von Patient*innen mit niedrigeren Selbstbehalten und komplexeren Krankheitsbildern genutzt. Demgegenüber war die Inanspruchnahme über Zusatzversicherungen mit höheren Selbstbehalten verbunden und zeigte für die meisten Gesundheitszustände einen negativen Zusammenhang.

Zudem zeigten sich ausgeprägte geografische Unterschiede sowohl in der Nutzung als auch in den Ausgaben für CAM, mit markanten Kontrasten entlang der Sprachregionsgrenzen. In französischsprachigen Regionen war die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme von CAM über die Grundsicherung um 33 % geringer, die Ausgaben unter den Nutzern jedoch um 26,6 % höher. Dies unterstreiche die Bedeutung regionaler und kultureller Kontexte für die Analyse von Nutzungsmustern, so die Forschenden.

Abschließend untersuchten die Forschenden den Zusammenhang zwischen CAM-Nutzung und den Ausgaben der konventionellen Medizin. Zu Beginn wiesen CAM-Nutzende in allen Subgruppen höhere Ausgaben für konventionelle Medizin auf. Im Zeitverlauf zeigte sich jedoch ein langsamerer Anstieg dieser Ausgaben im Vergleich zu Nichtnutzenden, wobei dieser Effekt besonders stark bei Personen ohne PCG-Kennzeichnung (PCG = pharmazeutische Kostengruppen) für CAM (über Grundversicherung) ausgeprägt war. Bei Krebspatientinnen und -patienten zeigte sich unabhängig von der Versicherungsart ein verlangsamtes Ausgabenwachstum, während bei multimorbiden Personen nur geringe Unterschiede in den Ausgabenverläufen beobachtet wurden.

Insgesamt würden diese Ergebnisse auf Zusammenhänge zwischen der Nutzung von CAM und den Ausgaben der konventionellen Medizin hindeuten, die weiterführende langfristige Untersuchungen erforderlich machen, so das Fazit der Forschenden.


Wirksamkeit und Kosteneffektivität der Homöopathie

Eine im Oktober 2023 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit [2] unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Ostermann untersuchte die klinische Wirksamkeit und Kosteneffektivität der Homöopathie im Vergleich zu konventionellen Behandlungsmethoden. Grundlage waren 21 Studien, darunter sowohl bereits früher bewertete als auch neuere Forschungsarbeiten. Die Ergebnisse zeigen, dass Homöopathie in allen eingeschlossenen Studien mindestens vergleichbare, häufig sogar bessere Behandlungseffekte erzielte als die jeweiligen Kontrollbehandlungen. In elf Studien erwies sie sich zudem als wirksamer bei gleichen oder geringeren Kosten, während sie in sieben Studien ähnlich effektiv war, jedoch mit unterschiedlichen Kosten verbunden. In drei Fällen zeigte sich eine höhere Wirksamkeit bei gleichzeitig höheren Kosten. Insgesamt deuten die Befunde darauf hin, dass Homöopathie sowohl aus klinischer als auch aus ökonomischer Perspektive relevant sein kann.


Originalpublikationen

  1. De Ridder D, Bagnoud C, Joost S, Guessous I. Deciphering Usage and Expenditures of Complementary Medicine: A Five-Year Longitudinal Data Analysis of 205,423 Individuals. Mayo Clin Proc 2026 Jan 22: S0025-6196(25)00553-1. doi: 10.1016/j.mayocp.2025.09.018. Epub ahead of print. 
  2. Ostermann T, Burkart J et.al. Overview and quality assessment of health economic evaluations for homeopathic therapy: an updated systematic review. Expert Rev Pharmacoecon Outcomes Res 2023 Oct 5: 1-26. doi: 10.1080/14737167.2023.2266136.
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