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Demenzschutz durch Kaffee – was ist bekannt?

Demenzschutz durch Kaffee – was ist bekannt? Demenzschutz durch Kaffee – was ist bekannt? AdobeStock #241312104 ©ram69
Eine Studie legt nahe, dass der regelmäßige Konsum von koffeinhaltigem Kaffee und Tee mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein könnte. Bereits eine tägliche Menge von etwa 2,5 bis 4,5 Tassen Kaffee wurde dabei als ausreichend beschrieben.


Die aktuelle prospektive Kohortenstudie [1] basierte auf der Annahme, dass der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee mit einem niedrigeren Demenzrisiko sowie einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit verbunden ist. Hierfür wurden Daten aus der „Nurses’ Health Study“ (NHS) und der „Health Professionals Follow-up Study“ (HPFS) ausgewertet, in denen die Teilnehmenden über einen Zeitraum von mehr als 43 Jahren prospektiv nachbeobachtet wurden. Während dieser Zeit erfolgten wiederholte Erhebungen zu Ernährungsgewohnheiten sowie zum kognitiven Status – sowohl subjektiv als auch objektiv – einschließlich Untersuchungen auf Demenz.

„Allein schon dadurch hebt sich die neue Studie positiv von anderen ab, in denen die Ernährungsgewohnheiten nur zu Beginn erhoben wurden und die oft nur einen kurzen Nachbeobachtungszeitraum hatten“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit. Auch die Patientenselektion erfolgte mit der notwendigen Sorgfalt: Es wurden nicht nur vorerkrankte Personen mit Tumorleiden, Parkinson oder Demenz ausgeschlossen, sondern auch diejenigen, die unplausible Angaben zu ihrer täglichen Kalorienzufuhr machten und sich somit als nicht zuverlässig bei der Dokumentation ihrer Ernährungsgewohnheiten auf den Fragebögen erwiesen.

Insgesamt wurden 86.606 weibliche Teilnehmerinnen aus der NHS-Kohorte und 45.215 männliche Teilnehmer der HPFS-Kohorte in die Analyse einbezogen. Von den 131.821 Personen entwickelten 11.033 während des Follow-ups eine Demenz. Die Studienteilnehmenden waren je nach ihren Kaffeekonsum in Quantilen eingeteilt worden, anschließend wurde statistisch ausgewertet, welches Quantile mit der geringsten Demenzinzidenz einherging. Um die Datenrobustheit sicherzustellen, wurden zwei multivariate Modelle genutzt. In Modell 1 wurde der Einfluss von demografischen Merkmalen, Familienanamnese und Gesamtenergiezufuhr herausgerechnet (letzteres unter anderem, um Unterschiede in Körpergröße und Stoffwechseleffizienz zu berücksichtigen). Modell 2 bereinigte für Lebensstilfaktoren, Ernährungsqualität, soziale Faktoren und klinische Komorbiditäten.

In der höchsten Quartile konsumierten Frauen im Durchschnitt 4,5 Tassen pro Tag, Männer 2,5 Tassen (wobei eine Tasse als 237 ml koffeinhaltiger Kaffee oder Tee definiert war). In der niedrigsten Quartile wurde hingegen weder Kaffee noch Tee getrunken. In der zweiten Quartile lag der Konsum bei durchschnittlich 0,43 Tassen pro Tag für beide Geschlechter, während in der dritten Quartile Frauen etwa 2,5 Tassen und Männer rund 1,25 Tassen täglich zu sich nahmen.

Die Ergebnisse zeigten, dass ein höherer Kaffeekonsum mit einem signifikant reduzierten Demenzrisiko einherging. Beim Vergleich des höchsten mit dem niedrigsten Quartil traten 141 gegenüber 330 Fälle pro 100.000 Personenjahre auf, was einer Hazard Ratio (HR) von 0,82 (95 % CI: 0,76–0,89) entspricht. Zudem wurde eine geringere Häufigkeit subjektiver kognitiver Beeinträchtigungen beobachtet (7,8 % vs. 9,5 %; HR 0,85 [95 % CI: 0,78–0,93]). „Das heißt, wer koffeinhaltigen Kaffee trank, konnte sein Demenzrisiko um 18 % senken, was durchaus ein nennenswerter Effekt wäre“, hebt Prof. Berlit hervor. Koffeinfreie Getränke (Kaffee oder Tee) hatten hingegen keinen schützenden Effekt.

Doch ist ein solcher Effekt plausibel? Welche Erklärungsansätze gibt es für einen möglichen demenzprotektiven Effekt von Kaffee? Nach Ansicht der Autoren könnte dieser auf verschiedene Mechanismen zurückzuführen sein:
  • Koffein reduziert Beta-Amyloid (Aβ)-Ablagerungen im Gehirn. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass Koffein Aβ-Spiegel senkt, die β- und γ-Sekretase-Aktivität unterdrückt, die neuronale Plastizität verbessert und die Mitochondrienfunktion sowie andere Signalwege stimuliert.
  • Darüber hinaus kann Koffein proinflammatorische Zytokine im Gehirn senken und Neuroinflammation als Treiber von kognitivem Verfall reduzieren. Neben Koffein enthalten Kaffee und Tee auch bioaktive Verbindungen wie Polyphenole, Chlorogensäure und Catechine, die oxidativen Stress reduzieren und die zerebrovaskuläre Funktion verbessern.
  • Auch die Fähigkeit von Koffein, die Insulinsensitivität zu verbessern und das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken, könnte zu seiner schützenden Wirkung auf die kognitive Gesundheit beitragen.
Die Ergebnisse der Studie seien somit physiologisch plausibel, betont Prof. Berlit. „Allerdings handelt es sich nur um Beobachtungsdaten, auch wenn die Studie qualitativ sehr hochwertig gemacht ist.“


Originalpublikation

Zhang Y, Liu Y, Li Y et al. Coffee and Tea Intake, Dementia Risk, and Cognitive Function. JAMA. 2026 Feb 9: e2527259. doi: 10.1001/jama.2025.27259. Epub ahead of print.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
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