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Zu viel Fruktose belastet die Nieren

Zu viel Fruktose belastet die Nieren Zu viel Fruktose belastet die Nieren AdobeStock #469542299 ©Markus Mainka
Ein hoher Konsum von Fruktose kann die Nieren langfristig schädigen und das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung erhöhen. Darauf macht die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie aufmerksam. Besonders kritisch ist industriell zugesetzte Fruktose, wie sie häufig in Softdrinks, Energydrinks, Fruchtsäften und vielen Fertigprodukten vorkommt – oft als Fruktose-Glukose-Sirup oder Maissirup.


„Fruktose ist kein ‚gesünderer‘ Zucker – im Gegenteil: In großen Mengen kann sie über verschiedene Stoffwechselwege die Nieren massiv beeinträchtigen“, betont die DGfN. Besonders kritisch sei der Konsum zuckerhaltiger Getränke, da die Fruktose hier schnell und in hoher Konzentration aufgenommen werde. In Kombination mit Hitze und Flüssigkeitsmangel – etwa im Sommer oder bei körperlicher Anstrengung – könne dies die Nieren zusätzlich belasten. Die DGfN empfiehlt daher, zuckergesüßte Getränke im Alltag konsequent zu reduzieren und stattdessen Wasser, ungesüßten Tee oder Kaffee ohne Zucker zu trinken.


Wie Fruktose die Nieren belastet

Fruktose wird im Körper vor allem in der Leber, aber auch in den Nieren abgebaut und unterscheidet sich deutlich vom Glukosestoffwechsel. Ein hoher Konsum fördert Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz – wichtige Ursachen für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Beide Erkrankungen zählen zu den zentralen Risikofaktoren für eine chronische Nierenerkrankung.

Zudem zeigen Studien, dass große Mengen Fruktose den Harnsäurespiegel erhöhen können. Erhöhte Harnsäure steht wiederum in Verbindung mit Bluthochdruck, Gicht, Nierensteinen und Entzündungen in der Niere. Gleichzeitig begünstigt Fruktose die Fettbildung und entzündliche Prozesse im Körper, die auch die empfindlichen Blutgefäße der Nieren schädigen können.


Mechanismen der Nierenschädigung

Aus nephrologischer Sicht sind mehrere Mechanismen relevant:
  • Harnsäureproduktion: Fruktose ist der einzige Zucker, der bei seinem Abbau zu einer vermehrten Harnsäurebildung führt. Ein dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel gilt als wesentlicher Faktor für Nierenschäden, Nierensteine und Entzündungen.
  • Entzündungen und Verhärtung des Nierengewebes (Fibrose): Langfristig hoher Fruktosekonsum fördert entzündliche Prozesse und Fibrose.
  • Energieverbrauch (ATP-Depletion): Beim Abbau von Fruktose in der Niere wird viel Energie verbraucht. Dadurch entsteht ein Energiemangel in den Zellen, der Entzündungen, oxidativen Stress, Funktionsstörungen der Gefäßinnenwand (Endothel) und eine Verengung der Blutgefäße auslösen kann.
  • Indirekte Effekte: Fruktose fördert Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettleber – Erkrankungen, die die Nierenfunktion zusätzlich verschlechtern.


Folgen für die Nierengesundheit

Ein dauerhaft hoher Konsum gezuckerter Getränke ist mit mehreren gesundheitlichen Risiken verbunden:
  • Erhöhtes Risiko für CKD
  • Nierensteine, insbesondere Harnsäuresteine
  • Albuminurie, also das vermehrte Auftreten von Eiweiß im Urin als frühes Zeichen von Nierenschäden
  • Besondere Gefährdung bei Hitze und Dehydrierung, wenn zuckerhaltige Getränke den Flüssigkeitsmangel nicht ausgleichen, sondern verstärken
  • Verstärkte Fettneubildung und Ablagerung sowohl als Unterhautfett wie auch als sogenanntes viszerales Fett.


Wo Fruktose überall drin steckt – von Energydrinks bis Kinderjoghurt

„Problematisch ist nicht Fruktose aus frischem Obst, sondern vor allem der zugesetzte Fruchtzucker in industriell hergestellten Lebensmitteln“, erläutert Professorin Dr. med. Sylvia Stracke, Bereichsleitung Nephrologie und Hypertensiologie an der Universitätsmedizin Greifswald und Pressesprecherin der DGfN. Sie findet sich unter anderem in:

  • Softdrinks, Energydrinks und Limonaden
  • „Sportdrinks“, Eistees und aromatisierten Wässern
  • Fruchtjoghurts, Frühstückscerealien, Müsliriegeln und Desserts
  • Fertigsaucen, Ketchup, Dressings sowie Backwaren und Snacks.

„Viele Verbraucherinnen und Verbraucher unterschätzen, wie viel Fruktose sie allein über Getränke zu sich nehmen. Ein halber Liter Softdrink oder Energydrink kann bereits mehr Zucker enthalten, als für Erwachsene pro Tag empfohlen wird“, warnt sie.


Prävention: Was jeder für seine Nieren tun kann

Nierenkrankheiten verlaufen häufig lange unbemerkt. Wer regelmäßig Nierenwerte (eGFR, UACR) sowie Blutdruck und Blutzucker kontrollieren lässt, kann früh gegensteuern.


Für die Nierengesundheit empfiehlt die DGfN:

  • Durst mit Wasser statt mit Softdrinks oder Energydrinks löschen
  • Zutatenlisten prüfen und Fruktose-Glukose-Sirup, Maissirup oder „Fruchtzucker“ möglichst meiden
  • Normalgewicht anstreben und halten
  • Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes konsequent behandeln.

„Mit wenigen, aber konsequent umgesetzten Verhaltensänderungen lässt sich das persönliche Risiko für eine CKD deutlich senken“, sagt auch Dr. med. Nicole Helmbold, Generalsekretärin der DGfN.


Forderung an Politik und Versorgung: Zuckerbremse und bessere Früherkennung

Angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit CKD fordert die DGfN wirksame gesundheitspolitische Maßnahmen zur Reduktion des Zuckergehalts in Getränken und Fertigprodukten. Dazu zählen eine klare Nährwertkennzeichnung, verbindliche Reduktionsziele für zugesetzten Zucker sowie eine stärkere gesundheitliche Aufklärung.


Originalpublikation

Hu H, Song J, MacGregor GA, He FJ. Consumption of Soft Drinks and Overweight and Obesity Among Adolescents in 107 Countries and Regions. JAMA Netw Open. 2023; 6(7): e2325158. doi:10.1001/jamanetworkopen.2023.25158

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)
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