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Herzinsuffizienz: Umweltfaktoren als unterschätzter Risikotreiber

Herzinsuffizienz: Umweltfaktoren als unterschätzter Risikotreiber Herzinsuffizienz: Umweltfaktoren als unterschätzter Risikotreiber AdobeStock #232374770 ©Alexander Ozerov
Nicht nur individuelle Risikofaktoren, sondern auch Umweltbedingungen beeinflussen, ob eine Herzinsuffizienz entsteht und wie sie verläuft. Das zeigt eine internationale systematische Übersichtsarbeit unter Beteiligung der Universitätsmedizin Mainz. Neben Bluthochdruck und Bewegungsmangel spielen demnach auch Luftverschmutzung, Lärm und Hitze eine wichtige Rolle – und bieten neue Ansatzpunkte für die Prävention.


Weltweit sind über 64 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen, in Deutschland sind es mehr als vier Millionen. Trotz moderner Medikamente und interventioneller Verfahren sind die Heilungschancen begrenzt, und die langfristige Überlebensprognose bleibt ungünstig: Rund die Hälfte der Betroffenen stirbt innerhalb von sechs Jahren nach der Diagnose. Umso wichtiger ist daher die Prävention. Bisher richtete sich diese vor allem auf individuelle Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und genetische Veranlagungen.

Dr. Omar Hahad, Wissenschaftler am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Erstautor einer aktuellen Studie, hat gemeinsam mit internationalen Kolleg*innen das Thema umfassender untersucht. In einer Übersichtsstudie analysierten sie das sogenannte Exposom – die Gesamtheit aller Umwelt- und Lebensbedingungen, denen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Umweltfaktoren entscheidend beeinflussen können, ob eine Herzinsuffizienz entsteht und wie sie verläuft.


Umweltfaktoren wirken langfristig und kumulativ

Die internationale Forschungsgruppe, an der unter anderem die Harvard Medical School, die Yale School of Medicine und die Columbia University beteiligt waren, wertete zahlreiche Studien zu Umweltbelastungen und Herzinsuffizienz aus. Untersucht wurden unter anderem Feinstaub, Verkehrs- und Fluglärm, extreme Temperaturen, künstliches Licht in der Nacht sowie toxische Metalle wie Blei und Cadmium. Die Studie zeigt, dass diese Einflüsse selten isoliert auftreten, sondern oft über Jahre hinweg und bereits in frühen Lebensphasen wirken. „Die kontinuierliche Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt führt zu einer erheblichen kumulativen Belastung auf Bevölkerungsebene“, erklärt Dr. Hahad.


Umweltbelastungen verstärken soziale Ungleichheiten

Nicht alle Menschen sind gleichermaßen von Umweltfaktoren betroffen. Besonders vulnerable Gruppen sind Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status: Sie leben häufiger in Gebieten mit schlechter Luft, hoher Lärmbelastung und wenig Grünflächen. Zudem haben sie oft eingeschränkten Zugang zu Präventions- und Therapiemaßnahmen, was ihre Sterblichkeit zusätzlich erhöht.


Prävention ganzheitlich denken

Die Autor*innen der Studie empfehlen, Prävention und Versorgung von Herzinsuffizienz umfassender zu gestalten. Neben medizinischen Maßnahmen sollten auch Schutzmaßnahmen gegen Luftverschmutzung, Lärm und extreme Temperaturen umgesetzt werden.


Originalpublikation

Hahad O, Wass S, Rajagopalan S et al. The environmental exposome in heart failure risk and progression. Nat Rev Cardiol 2026 Jan 26. doi: 10.1038/s41569-026-01247-1

Quelle: Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
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