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Anhaltendes Single-Leben wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden junger Menschen aus

Anhaltendes Single-Leben wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden junger Menschen aus Anhaltendes Single-Leben wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden junger Menschen aus AdobeStock #1843730055 ©Denis Yevtekhov
Immer mehr junge Erwachsene verzichten auf romantische Beziehungen – was Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben kann. Eine aktuelle Untersuchung der Universität Zürich zeigt, dass dauerhaftes Single-Dasein über die Zeit zu einem stärkeren Rückgang der Lebenszufriedenheit führt und Einsamkeit sowie depressive Gefühle verstärkt – besonders bei Menschen in ihren späten Zwanzigern.


Das Single-Dasein wird in den Medien zunehmend als Ausdruck von Lifestyle, Selbstbestimmung und Empowerment inszeniert. Begriffe wie «Self-Partnership», «Solo Living», «Sologamie» oder «Singlehood» prägen die Diskussion. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr junge Erwachsene gegen feste romantische Beziehungen. Ein Forschungsteam unter der Leitung der Universität Zürich hat untersucht, welche Auswirkungen ein dauerhaftes Single-Dasein auf das langfristige Wohlbefinden hat. Dafür wurden über 17.000 zu Beginn der Studie partnerschaftsunerfahrene junge Menschen aus drei repräsentativen Panelstudien in Deutschland und Großbritannien herangezogen. Sie wurden im Alter von frühestens 16 bis spätestens 29 Jahren jährlich befragt.


Länger Single: männlich, gebildet – und weniger zufrieden

Die Wissenschaftler*innen haben berechnet, welche jungen Erwachsenen voraussichtlich länger alleinstehend bleiben werden. Dabei zeigte sich: Männer, Personen mit einem aktuell geringeren Wohlbefinden oder einer höheren Bildung sowie diejenigen, die allein oder noch bei ihren Eltern wohnen, bleiben im Durchschnitt länger ohne feste Beziehung.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass sowohl soziodemographische Faktoren wie Bildung als auch psychologische Eigenschaften wie das momentane Wohlbefinden vorhersagen, wer Partnerschaften eingeht und wer nicht. Die Befunde, dass ein stärkerer Fokus auf Bildung bei manchen Menschen mit dem Aufschieben fester Partnerschaften einhergeht, sind konsistent mit Studien aus der Soziologie», sagt Studienleiter Michael Krämer.


Zunehmende Einsamkeit bei dauerhaften Singles

Die Forschenden untersuchten außerdem, wie sich Lebenszufriedenheit, Einsamkeit und depressive Symptome im jungen Erwachsenenalter bei dauerhaft Alleinstehenden im Vergleich zu Personen, die später eine Partnerschaft eingehen, entwickeln.

Junge Erwachsene, die dauerhaft Single bleiben, erleben im Verlauf einen stärkeren Rückgang der Lebenszufriedenheit und zunehmende Einsamkeit. Besonders in den späten Zwanzigern nehmen diese Belastungen deutlich zu, begleitet von einem Anstieg depressiver Symptome. Dabei zeigen Frauen und Männer grundsätzlich ein ähnliches Muster.


Erste Partnerschaft zeigt Wirkung

Anschließend analysierte das Forschungsteam, wie die erste romantische Beziehung das Wohlbefinden im Zeitverlauf beeinflusst. Mit Beginn der ersten Partnerschaft verbesserte sich das Befinden junger Erwachsener in mehreren Bereichen: Sie wurden zufriedener und fühlten sich weniger einsam – sowohl kurzfristig als auch langfristig. Für Depressivität konnte jedoch kein vergleichbarer Erholungseffekt nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse deuten insgesamt darauf hin, dass ein längeres Single-Dasein im jungen Erwachsenenalter mit moderaten Risiken für das Wohlbefinden verbunden ist. Während sich dauerhafte Singles und Personen, die später eine Partnerschaft eingingen, in der Adoleszenz kaum unterschieden, wurden die Unterschiede mit zunehmender Dauer des Single-Daseins deutlicher. Dies legt nahe, dass es in den späten Zwanzigern schwieriger werden kann, die erste Partnerschaft einzugehen, da ein geringeres Wohlbefinden zugleich die Wahrscheinlichkeit erhöht, länger allein zu bleiben.


Literatur

Krämer MD, Stern J, Buchinger L et al. Life satisfaction, loneliness, and depressivity in consistently single young adults in Germany and the United Kingdom. J Pers Soc Psychol. 2026 Jan 12. doi: 10.1037/pspp0000595

Quelle: Mitteilung der Universität Zürich vom 14.01.2026
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