World Health Congress in Prag 2025
World Health Congress in Prag 2025
Der World Health Congress (WHC) fand vom 3.–5. Oktober 2025 in Prag statt. Das Ziel der Veranstaltung war die Förderung der Traditionellen, Komplementären und Integrativen Medizin. Ralf Dissemond, Vorsitzender des Verband Klassischer Heilpraktiker Deutschlands (VKHD) e.V., war vor Ort und schildert seine Eindrücke.
Tomàš Pfeiffer, dessen Institut für TCIM/ CAM mitten in der Prager Innenstadt liegt, ist der Organisator und die treibende Kraft hinter dem nunmehr zum 4. Mal abgehaltenen World Health Kongress.
Einen kleinen Eindruck über die beeindruckenden Räumlichkeiten des von außen eher unscheinbaren Instituts, bietet die Website des Instituts: https://www.whc2025prague.com/congress-venue.
Der Kongress fand parallel in vier verschiedenen Räumen statt, wobei einer ausschließlich der Übertragung der Online-Beiträge diente. Die Beiträge wurden in der Haupthalle simultan ins Englische und Tschechische übersetzt, in den weiteren Räumen lief auf Monitoren eine KI-gestützte Übersetzung ins Tschechische.
Tomáš selbst ist direkter Schüler von Josef Zezulka, einem bekannten Heiler in Tschechien. Bei der von ihm angewendeten Heilmethode, Biotronics, handelt es sich um eine energetische Heilarbeit. In seinem Institut, das von vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern getragen wird, können Menschen auch eine Zeitlang stationär aufgenommen werden, bis ihre Behandlung abgeschlossen ist. Sein Anliegen im Bereich der Traditionellen, komplementären und Integrativen Medizin ist der Austausch zwischen den, und die Stärkung der Methoden, die unter dieser Abkürzung (TCIM) zusammengefasst werden.
Das Kongressprogramm reichte von wissenschaftlichen Arbeiten zur Ernährung und Bewegung, bis zum Anbau von Heilpflanzen in Südafrika, und vom Immateriellen Kulturerbe der UNESCO, bis zum Einsatz von Kunst und Kreativität in der Gesundheitsversorgung. Dementsprechend international liest sich auch die Liste der Redner*innen, die sowohl aus dem europäischen Raum, als auch aus Afrika, Indien, den USA, Südamerika und von den Philippinen kamen. Die meisten von ihnen waren vor Ort, einige aufgrund der großen Entfernung über Zoom zu sehen. Ungefähr hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer verteilten sich auf die oben erwähnten vier Vortragsräume, und konnten aus den parallel laufenden Beiträgen auswählen.
Medial begleitet
Mit Jesper Odde Madsen aus Dänemark war auch ein Journalist dabei. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Berichterstattung über komplementäre und alternative Heilverfahren in den Medien kritisch zu beobachten. Das von ihm gegründete „The Frontiers Journalists‘ Network“ versorgt darüber hinaus Journalisten und Wissenschaftler mit sachlichen Informationen zur TCIM und tritt auch mit ihnen in Austausch, um die oft einseitige Berichterstattung in den Medien ausgeglichener zu gestalten. Eine sehr anspruchsvolle und langwierige Aufgabe.
Programmbeiträge zur Homöopathie
Der „wissenschaftliche Arm“ der Homöopathie wurde in diesem Jahr durch Prof. Dr. Michael Frass vertreten, der gleich zwei Beiträge präsentieren durfte. Zum einen stellte er die Ergebnisse seiner Arbeit bei Kindern mit Periodischen Fiebersyndrom vor. Hier konnten die individuell verschriebenen homöopathischen Arzneien nicht nur erfolgreich die Entzündungsprozesse beeinflussen, viele Eltern berichteten auch über eine positive Veränderung in der Entwicklung ihrer Kinder. In seinem zweiten Beitrag stellte Prof. Frass den positiven Einfluss einer begleitenden homöopathischen Behandlung auf die Lebensqualität und die Überlebenszeit von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungentumor vor.
Die Macht der Patient*innen
Aus unserer Sicht sicherlich sehr erwähnungswert war der Beitrag von Miranda Ruchtie aus den Niederlanden. Miranda ist die Vorsitzende der European Federation of Homeopathic Patients’ Associations (EFHPA). „Patients = Power“ war der Titel ihres Beitrags. Über 10.000 Patientinnen und Patienten in 15 Ländern Europas werden von EFHPA vertreten, und alleine diese Zahl zeigt die Energie, die dahintersteckt, wenn sie zielgerichtet eingesetzt wird. EFHPA gibt den vielen positiven Erfahrungen der Patient*innen, die täglich mit Homöopathie, aber auch anderen TCIM-Methoden behandelt werden, eine Stimme und ein Gewicht bei politischen Entscheidungsträgern. Sie setzt sich dafür ein, diesen Methoden eine größere politische Anerkennung zu verschaffen, und damit auch unter Umständen mehr Forschungsgelder zu erhalten. Darüber hinaus steht sie für einen gesellschaftlichen Wandel zu einem ganzheitlichen Blick auf die verschiedenen Facetten des Themas Gesundheit.
Traditionelle Medizin – Heute und Morgen
Eine gute alte Bekannte, Nora Laubstein, die Vorsitzende der ANME e.V., war mit dem Beitrag „Traditionelle Medizin – Heute und Morgen“ vertreten. Noras gewohnt kritischer Blick auf aktuelle Tendenzen in der europäischen und internationalen Gesundheitspolitik beleuchtete die jüngsten Entwicklungen in der WHO und deren Bedeutung für Patient*innen und Therapeut*innen. Sie stellte fest, dass die Traditionellen Heilverfahren ein Teil des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO sind, und schon seit Jahrhunderten für die Behandlung von körperlichen und geistigen Leiden eingesetzt werden. Die jetzt von der WHO entwickelte „globale Strategie für Traditionelle Medizin 2025-2034“, die ihren Schwerpunkt auf eine sogenannte evidenzbasierte traditionelle Medizin legt, steht damit im Widerspruch zu dem über einen langen Zeitraum gewachsenen Erfahrungsschatz dieser Methoden. Im zukünftigen Prozess wird es wichtig sein, diesen Erfahrungsschatz zu bewahren.
Die Arbeit des ECCH
Ich selbst hatte Gelegenheit, die Arbeit unseres europäischen Dachverbands, ECCH, zu präsentieren. Besondere Bedeutung kam dabei dem Netzwerk zu, das sich der ECCH über die Jahre hinweg aufgebaut hat. Informationen über den Stand der europäischen Arzneimitteldirektive, die Arbeit von EUROCAM (der ECCH ist hier Mitglied) in der Interessengruppe der Mitglieder des europäischen Parlaments zum Einsatz von Homöopathie und anderen Therapiemethoden (bei der Behandlung von Krebspatienten beispielsweise), und vielen weiteren politischen Aktionen werden in diesem Netzwerk ausgetauscht. Damit ist auch der VKHD immer up-to-date, wenn es um unser europäisches Umfeld geht. ECCH-Mitgliedsverbände haben in den vergangenen Jahren darüber hinaus immer wieder um Unterstützung gebeten, wenn es in ihrem Land besorgniserregende politische Entwicklungen gab. Oft hat die Tatsache, dass der ECCH in seinem Portfolio unter anderem Dokumente zu Ausbildung, Kompetenzgrenzen oder Ethik hat, den Verbänden geholfen, diesen Entwicklungen eine andere Note zu geben. Nach meinem Vortag kamen noch interessierte Fragen zu diesem Thema. Ich hoffe also, etwas Aufmerksamkeit für die Homöopathie und uns als Therapeut*innen erregt zu haben.Der von Tomáš Pfeiffer organisierte Kongress findet in den Medien hierzulande keine Erwähnung. Interessierte können sich aber unter diesem Link einmal durch die Beiträge der Halle 1 klicken: https://www.youtube.com/live/Nu7aVhuCC2Q
Fazit
Der Kongress bot die Möglichkeit zu einem wertvollen und sehr persönlichen Austausch zwischen Menschen, die ganz verschiedene Aspekte unserer Arbeit bzw. Rahmenbedingungen, die sich auf unsere Arbeit auswirken, repräsentieren. Dafür mein ganz besonderer Dank an Tomáš! Ich hoffe sehr, beim nächsten World Health Kongress wieder die Möglichkeit zu haben, einen Beitrag leisten zu dürfen.Ralf Dissemond, VKHD-Vorsitzender





