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Ärzte empfehlen zunehmend Naturarzneimittel für Kinder

Ärzte empfehlen zunehmend Naturarzneimittel für Kinder Ärzte empfehlen zunehmend Naturarzneimittel für Kinder Fotolia #73205633 © Vesna Cvorovic

Eine neue internationale Studie, an der 582 Kinderärzte aus 6 Ländern teilnahmen, hat gezeigt, dass 15% der von den teilnehmenden Ärzten verschriebenen Arzneien homöopathische und 17% pflanzliche Arzneien waren. Die geringeren Nebenwirkungen im Vergleich zu konventioneller Medizin waren für viele Ärzte ausschlaggebend für die Verschreibung der naturheilkundlichen Präparate. Die Naturheilmittel und homöopathischen Arzneien wurden überwiegend begleitend zur konventionellen Therapie verabreicht. Verschreibungspraxis und Wissen über komplementärmedizinische Verfahren und Arzneien variieren stark je nach Land.

Die Studienautoren hatten Kinderärzte und Allgemeinmediziner, die Kinder im Alter von 0-12 Jahren in den letzten 12 Monaten behandelten, über einen selbst auszufüllenden Online-Fragebogen (25 Minuten) zwischen Mai und Juni 2014 in 6 Ländern (Deutschland, Spanien, Russland, Bulgarien, Kolumbien, Israel) befragt. Die Antworten von 582 Ärzten konnten ausgewertet werden, weil die Teilnehmer die Einschlusskriterien erfüllten. Offen bleibt, wie die Auswahl der angeschriebenen Mediziner getroffen wurde. Ein Drittel der Ärzte verfügte über eine Ausbildung in Homöopathie und 24% in Phytotherapie. Dabei gab es große Unterschiede innerhalb der einzelnen Länder. Am häufigsten wurden die kleinen Patienten insgesamt wegen Infektionen der oberen Atemwege, Allergien, akuten abdominellen Beschwerden, rezidivierenden Infekten, Ohrenschmerzen und Koliken behandelt. 

99% der Ärzte hatten in der vorausgegangenen 12 Monaten Naturheilmittel (Phytotherapie oder Vitamine, Mineralien und Nahrungsergänzungsmittel) und 76 % hatten homöopathische Medikamente (88% in Russland, 82% in Bulgarien, 79% in Deutschland, 74% in Spanien, 61% in Kolumbien und 27% in Israel) empfohlen oder verschrieben. 

Höhere Motivation durch eigene Erfahrung und geringere Nebenwirkung

Hatten die Ärzte in den 24 Monaten vor Studienbeginn selber komplementäre Arzneien genommen, so erhöhte sich ihre Bereitwilligkeit, diese Heilmittel ihren Patienten im Kindesalter zu verschreiben bzw. zu empfehlen. Zudem waren für die Ärzte die geringeren Nebenwirkungen der natürlichen Arzneien im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten ein entscheidender Faktor für ihre Entscheidungsfindung: Homöopathische Präparate wurden von 70% der teilnehmenden Ärzte mit einem geringeren Nebenwirkungsrisiko assoziiert, bei Naturarzneimitteln waren es 60% der Teilnehmer. 

Unterschiedliche Verschreibungspraktiken

Länderübergreifend fielen 17% der Verschreibungen auf die Phytotherapie, 15% auf homöopathische Arzneien. Deutschland war in beiden Fällen der Spitzenreiter mit 23% für phytotherapeutische und 18% für homöopathische Arzneien, gefolgt von Russland (20% und 14%) und Bulgarien (17% und 16%). In Israel lagen die Quoten jeweils am niedrigsten (7% und 2%). Bezogen auf Vitamine, Mineralien und Nahrungsergänzungsmittel (VMN) wurden länderübergreifend 25% der Mittel empfohlen. Kolumbien lag hier mit 30% an der Spitze, gefolgt von Spanien (29%), Bulgarien (28%) und Israel (27%). In Deutschland war deren Verodnung am niedrigsten (17%). 43,3% aller teilnehmenden Ärzte verordneten konventionelle Arzneien, wobei die Quote in Israel mit 63% am höchsten war, in Russland (29%) und Bulgarien (40%) am niedrigsten. In Deutschland lag sie bei 42%.

Die Haltung der Eltern beeinflusst die Empfehlungen der Ärzte

In allen Ländern gaben die an der Studie teilnehmenden Kinder- und Hausärzte an, dass die Werte und Haltung der Eltern ihre Entscheidungen beeinflussten. So hätten die elterlichen Sorgen im Hinblick auf Nebenwirkungen (51%) und auf die Wirksamkeit herkömmlicher Arzneimittel (39%) Einfluss auf ihre Empfehlungen. 52% der Ärzte schätzten, dass sie für Kinder von Eltern, welche selbst natürliche bzw. homöopathische Arzneimittel bevorzugen, eher komplementäre und alternative Medikamente empfohlen hatten. Jeder fünfte Arzt (21%) empfahl ein Naturarzneimittel bzw. ein homöopathisches Medikament, wenn die Eltern einen höheren Bildungsstand hatten.

Bei welchen Indikationen werden komplementäre Medikamente empfohlen? 

Die Studie zeigte, dass Infektionen der oberen Atemwege (53%), exzessives Schreien (45%), Schlafstörungen (33%) und rezidivierende Infekte (34%) die häufigsten Indikationen für eine naturheilkundliche und homöopathische Verschreibung darstellen. Das Zahnen ist dahingegen eine Domäne für die Homöopathie: 37% der Ärzte meldeten einen häufigen Einsatz. Die Naturheil- und homöopathischen Mittel werden überwiegend komplementär zur konventionellen Therapie verschrieben.

Die drei häufigsten Barrieren

Die Ärzte wurden auch nach den drei wichtigsten potentiellen Gründen gefragt, die gegen eine Verordnung von Naturheil- und homöopathischen Mitteln sprechen. Die für alle Verfahren am häufigsten genannten Gründe waren:
1)    Der fehlende Wirksamkeitsnachweis (59%)
2)    Das fehlende Wissen über das Wirkprinzip (42% Naturheilmittel und 43% Homöopathie)
3)    Fehlende Information über die Indikationen, bei denen natürliche und homöopathische Arzneien besonders hilfreich sind.

Quelle: Beer, Burlaka, Buskin et al. Usage and attitudes towards homeopathy and natural remedies in general paediatrics: a cross-country overview. Global Pediatric Health. 2016: 1-8 

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