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Stellungnahme des VKHD zum „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ — herausgegeben vom „Münsteraner Kreis“ —

Fotolia 154583992 M kleinUnter dem Namen „Münsteraner Kreis“ hat sich eine Gruppe zusammengeschlossen, die zum einen den Beruf des Heilpraktikers und zum zweiten die komplementären und alternativen Therapien unter die Lupe genommen hat.

 
Gleich in der Einleitung werden beide Aspekte in Zusammenhang mit der Fehlbehandlung von Patienten gebracht und dies an einem Einzelfall begründet. Die Verfasser des Memorandums vermuten, dass drei verstorbene Patienten eines Heilpraktikers länger gelebt hätten, wenn sie eine Behandlung mit wissenschaftsorientierter Medizin erhalten hätten. Das Autorenteam versucht nach eigener Aussage „..., die genannte Problematik aus einer dezidiert wissenschaftsorientierten und zugleich am Selbstbestimmungsrecht der Patienten ausgerichteten Perspektive zu beurteilen.“ Bei den Homöopathiekritikern Natalie Grams, Norbert Aust und Edzard Ernst, um nur einige zu nennen, ist die Entscheidung aber längst gefallen und auch in vielen Publikationen zum Ausdruck gebracht worden. Ihr Beitrag zum Memorandum kann daher nur als eine Wiederholung bereits bekannter Standpunkte angesehen werden.

Im Weiteren wird ausgeführt, dass die Verfahren der Alternativmedizin in Konkurrenz zu den Verfahren der wissenschaftsorientierten Medizin stehen. Bereits bei diesem frühen Punkt im Memorandum würde jeder Heilpraktiker Widerspruch einlegen. Wir betrachten uns keinesfalls als Konkurrenten zur wissenschaftsorientierten Medizin, sondern als Alternative und Ergänzung derselben zum Wohle des Patienten. Erfahrungsgemäß befinden sich unsere Patienten in den allermeisten Fällen bereits in der Behandlung mit wissenschaftsorientierten Verfahren. Häufig sind sie aber mit den Ergebnissen unzufrieden und suchen nach anderen Wegen der Behandlung.

Als Komplementärmedizin definiert der „Münsteraner Kreis“ diejenigen Verfahren, die als Ergänzung zur wissenschaftsorientierten Medizin angeboten werden. Allerdings gibt es den Ausführungen zufolge erhebliche Überlappungen zwischen Alternativ- und Komplementärmedizin, weshalb die Autoren den Sammelbegriff KAM (Komplementär-Alternative Medizin) kreieren, der beide Möglichkeiten einschließt. Exemplarisch hierfür werden als Beispiele Akupunktur, Homöopathie, Bachblüten und Chiropraktik genannt. Im Folgenden wird zunächst die wissenschaftsorientierte Medizin erklärt. Dem geneigten Leser fallen dabei Formulierungen auf wie „... soll zumindest ihrem Anspruch nach durchgehend wissenschaftlich begründet sein und in ihren Behandlungsaussichten mit hinreichendem Evidenzgrad überprüft sein, weshalb wir sie als wissenschaftsorientierte Medizin bezeichnen, die dem Ideal einer wissenschaftlichen Medizin verpflichtet ist.“ Im Vergleich dazu wäre das Ideal einer homöopathischen Behandlung „Die schnelle, sanfte und dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder die Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten und unnachteiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.“ Ein Ideal, mit dem man sich sicher nicht verstecken muss.

Unter Punkt 2.2 des Memorandums „Behandlungskonzepte“ finden wir bei der wissenschaftsorientierten Medizin wieder so verheißungsvolle Formulierungen wie „(...) grundsätzlich rational überprüfbar sein will und ihre kontinuierlich Verbesserung und Weiterentwicklung anstrebt.“ Im Gegensatz dazu bewegt sich das Heilpraktikerwesen „(...) überwiegend in einer Parallelwelt mit eigenen, meist dogmatisch tradierten Krankheits- und Heilkonzepten.“ Während also die wissenschaftsorientierte Medizin noch auf dem Weg zu ihren hehren Zielen ist, ist beim Heilpraktiker schon Hopfen und Malz verloren. Eine etwas ungleiche Herangehensweise, wie wir finden. Die vom „Münsteraner Kreis“ eingangs offerierte wissenschaftsorientierte Perspektive sucht man hier vergebens, zumindest bei der Bewertung des Heilpraktikers und seiner Therapien.

Im weiteren Verlauf des Memorandums wird dann auch deutlich, dass man ihm diese Entwicklung gar nicht zugestehen will. Er ist per se gefährlich, und zum Wohle der Bevölkerung würde man ihn am besten gleich abschaffen. Das einzig Gute am Heilpraktiker ist nach Ansicht der Autoren: Er nimmt sich Zeit für seine Patienten und bringt ihnen Empathie entgegen. Dieser Vorteil sollte aber in die wissenschaftsorientierte Medizin integriert werden können. Die Tatsache, dass nur ca. 20% der wissenschaftsorientierten Methoden nach Aussage vieler Experten evidenzbasiert sind, 80% nicht oder nicht ausreichend, wird nicht erwähnt. Würde Zeit für Gespräche und Empathie daran etwas ändern?

Während laut Memorandum die Verfahren der KAM die solidarisch finanzierte Krankenversorgung belasten und dies als unethisch verurteilt wird, stellt sich die Frage, ob dies nicht auch für die 80% unzureichend belegter wissenschaftsorientierter Verfahren gilt? Auch interessant ist die Passage unter Punkt 4.4 „Kompetenzlösung“. Hier findet man die Aussage: „Patienten – in ihrer gesundheitlichen Not und unter dem damit häufig verbunden Zeitdruck – sind besonders vulnerabel und damit regelmäßig anfällig für falsche Heilversprechungen und ökonomische Ausbeutung. Solche Beeinträchtigungen ihrer Entscheidungsfindung verlangen nach Maßnahmen zum Schutz der Patienteninteressen, indem staatlicherseits zumindest garantiert wird, dass die Anbieter von Gesundheitsleistungen auch über die jeweils hinreichende Qualifizierung für eine sachgerechte Versorgung verfügen.“ 

Eine „hinreichende Qualifizierung für eine sachgerechte Versorgung“ schützt also vor ökonomischer Ausbeutung? Ist damit gemeint: Solange sich der Patient im Rahmen der wissenschaftsorientierten, von der Solidargemeinschaft finanzierten Rahmen bewegt, ist alles gut, verlässt er diesen Rahmen, wird es für ihn wirtschaftlich, und natürlich gesundheitlich, gefährlich?

Abschließend kann man feststellen, dass dieses Memorandum nur eine zusammenfassende Wiederholung bereits vielfach geäußerter Meinungen ist: Alter Wein in neuen Schläuchen! Sicherlich werden wir Heilpraktiker unser Tun und unsere bisherigen Anstrengungen um Qualität, Dokumentation und Patientensicherheit kritisch betrachten - und wo immer möglich – kontinuierlich weiterentwickeln und verbessern.

Weitere Informationen zu diesem Thema:
Münsteraner Memorandum Heilpraktiker
Karl F. Liebau zum „Münsteraner Memorandum“: Man spürt die Absicht und – sonst nichts
Pressemitteilung des VKHD
Stellungnahme des Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH)
Überwiegend positive Kommentare zum Münsteraner Memorandum in der Ärztezeitung  und auf
Doccheck

Kurzgutachten von Rechtsanwalt Dr. Sasse zu den rechtlichen Rahmenbedingungen des Heilpraktikerrechts 
http://www.heilpraktikerrecht.com/wp-content/uploads/2017/08/20170821-Kurzgutachten-HP-Recht-signed.pdf








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