Standard | mobil

Deutsche Namen für homöopathische Arzneimittel?

Fotolia 107556748 SDie Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil, fordert in einer Pressemitteilung vom 24.07.2017 eine verständliche Kennzeichnung von Homöopathika und den Wegfall der Apothekenpflicht für homöopathische Arzneien.

 


Damit verursacht die Politikerin einen großen medialen Wirbel rund um das beliebte Heilverfahren. Prompt folgen heftige Diskussionen in den sozialen Netzwerken und Vetos der anderen Parteien sowie der Pharmaverbände. Zu Recht. Denn Frau Heils Forderungen zeugen von großer mangelnder Sachkenntnis.

Mechthild Heil ist u.a. der Meinung: „Die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe homöopathischer Zubereitungen mit ausschließlich lateinischen Bezeichnungen ist (...) nicht zeitgemäß und widerspricht allen Ansätzen der modernen Verbraucherinformation. Nur wer versteht, was konkret drin ist, kann sich damit auseinandersetzen. Hier besteht Änderungsbedarf.“ Das ist in einer Pressemitteilung der CDU/CSU-Fraktion zu lesen. 

Kennzeichnungspflicht mit lateinischen Namen hat ihren Sinn

Prompt stellt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI), Henning Fahrenkamp, hinsichtlich der Kennzeichnungspflicht in einer Erwiderung klar: „Die Packungsbeilage für Arzneimittel ist in Form und Sprache verpflichtend vorgeschrieben. Die Inhalte – Wirkung und Anwendung, Anwendungsbeschränkungen und Warnhinweise, Dosierung und Nebenwirkungen – sind gesetzlich geregelt und in deutscher Sprache verfasst.“


Die Sachlage

Tatsache ist, dass das deutsche Arzneimittelgesetz (AMG) vorschreibt, dass homöopathische Arzneimittel lateinische Namen tragen sollen. Sie müssen nach den traditionellen Bezeichnungen ihrer Ausgangsstoffe benannt werden, die weitestgehend der zweiteiligen wissenschaftlichen Nomenklatur entnommen sind. Diese Verwendung der lateinischen Nomenklatur ist ausgesprochen sinnvoll und hat ihre Berechtigung. Schließlich wären die meisten der über 2.000 auf dem deutschen Markt registrierten homöopathischen Einzelmittel mit deutschen Bezeichnungen mangels eindeutiger deutscher Systematik (Taxonomie und Nomenklatur) nicht klar unterscheidbar.

Das Anwenderbündnis zum Erhalt homöopathischer Arzneien (AEHA) betont in seiner Stellungnahme zum Vorstoß von Frau Heil diese Fakten. Nur botanisch sehr Bewanderte könnten Pflanzen überhaupt auseinanderhalten. Wer kennt schon Ackergauchheil, Wiesentaumellolch und Alant? Alleine für die Butterblume zählt Wikipedia fünf verschiedene Pflanzenarten mit dem Namen Butterblume auf. „Komplett unsinnig wird es dann bei Pflanzen aus anderen Kontinenten, für die gar keine deutschen Bezeichnungen existieren sowie bei vielen der mineralischen und tierischen Ausgangsstoffe, die in der Homöopathie ebenso Verwendung finden“, so das Anwenderbündnis. Das heutige System der zweiteiligen lateinischen Nomenklatur bereitet da im Zeitalter des Internets mit Sicherheit weniger Probleme als eine unsinnige deutsche Nomenklatur, ergänzt das AEHA.

Berücksichtigt werden muss bei der Diskussion auch, dass die gesetzlichen Vorgaben für die Bezeichnungen der Arzneimittel für eine weltweit einheitliche Nomenklatur sorgen. Die Mittel heißen so fast überall auf der Welt gleich. Zahlreiche deutsche Hersteller ergänzen in ihren Packungs-Angaben darüber hinaus den deutschen Namen, sofern ein solcher vorhanden und sinnvoll ist.


Apothekenpflicht überdenken?

Doch nicht genug mit den nicht durchdachten Forderungen der Verbraucherschutzbeauftragten der CDU/CSU Mechthild Heil. Sie will auch, dass die Apothekenpflicht für homöopathische Mittel überdacht wird. So ist in der Pressemitteilung zu lesen: „Für die meisten dieser Präparate liegt kein Nachweis der Wirksamkeit vor, es erfolgt keine Zulassung mit klinischen Studien, lediglich eine Registrierung. Der aus-schließliche Verkauf in Apotheken erweckt dabei den Anschein, es würde sich um wissenschaftlich aner-kannte Alternativen zu schulmedizinischen Medikamenten handeln. Wir sollten dem durch eine klare Regelung entgegenwirken.“

Auch hier kontert Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer des BPI: „Wichtig ist, dass der Patient das für seine Erkrankung passende Arzneimittel erhält. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Arzneimittelberatung und -abgabe in den Händen von Ärzten und Apothekern liegt.“ Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH), Dr. Hermann Kortland, stellt ebenfalls klar: Die Apothekenpflicht für homöopathische Arzneimittel muss beibehalten werden. „Mit der Apothekenpflicht wird eine sachgerechte Anwendung homöopathischer Arzneimittel im Rahmen einer heilberuflichen Beratung des Apothekers sichergestellt. Und das ist wichtig für die Patientensicherheit. Nur der Status der Apothekenpflicht gewährleistet, dass der Apotheker im Zweifel auch auf die Grenzen einer homöopathischen Behandlung hinweisen kann.“

Auch von den Grünen bekommt Heil Gegenwind: Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft der Grünen, erklärt per Facebook: „Frau Heil hat offenkundig keine Ahnung, wovon sie spricht. Homöopathische Mittel werden längst klar und verständlich gekennzeichnet, weil §10 des Arzneimittelgesetzes das so vorschreibt. Zudem sind Homöopathika in Deutschland sinnvollerweise durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zulassungs- bzw. registrierungspflichtig und werden dadurch auf Qualität und Sicherheit geprüft. Darüber hinaus soll die Apothekenpflicht eine falsche oder unangebrachte Einnahme gerade verhindern“.

Damit macht Sie auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam: Denn der rechtliche Status homöopathischer Arzneimittel in Deutschland mit seinen strengen Überprüfungen vor der Marktzulassung und die Apothekenpflicht sorgen dafür, dass hierzulande Skandale, wie jüngst in den USA um ein homöopathisches Zahnungsmittel, verhindert werden können.


Welchen Zweck verfolgt Frau Heil?

Es stellt sich die Frage, was Frau Heil mit ihren Forderungen eigentlich wirklich bezweckt. Handelt es sich um einen Versuchsballon, um vor der nächsten Wahl die Reaktionen und Stimmung der Medien und Bevölkerung gegenüber der Homöopathie auszuloten? Oder geht es hier womöglich nur darum, die Homöopathie wieder einmal zu diskreditieren? Und zu welchem Zweck? Vor welchen Karren hat sich Heil hier spannen lassen? Sicher ist, ernst gemeint kann ihr Vorstoß nicht gewesen sein, denn viel zu offensichtlich sind die Schwachstellen und die Unsinnigkeit ihrer Argumentation.



Suchen

Homöopathie erlebt

Eine Familie berichtet über ihre homöopathische Behandlung.

  Hier geht es zum Film
homoeopathie erlebt

Veranstaltungen

Letzter Monat Dezember 2017 Nächster Monat
Mo Di Mi Do Fr Sa So
week 48 1 2 3
week 49 4 5 6 7 8 9 10
week 50 11 12 13 14 15 16 17
week 51 18 19 20 21 22 23 24
week 52 25 26 27 28 29 30 31

Besucher online

Aktuell sind 119 Gäste und keine Mitglieder online

Aktuelle Termine

Keine Termine