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Todesfälle durch Homöopathie?

Fotolia 83607290 S USA Wieder einmal wird die Homöopathie in der Presse zu Unrecht mit Todesfällen in Verbindung gebracht. So titelt z.B. der Spiegel in seiner Online-Ausgabe vom 23.02.2017 „Behörde prüft Todesfälle durch Homöopathie“.



Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt derweil Entwarnung.


Was ist geschehen?

In den USA warnte die Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration (FDA) bereits im September 2016 vor dem Gebrauch bestimmter homöopathischer Tabletten, die bei Zahnungsbeschwerden helfen sollen. Die Mittel, die in Amerika frei verkäuflich sind und keiner Zulassung unterliegen, standen in dem Verdacht, bei Kleinkindern epileptische Anfälle, Atemnot, Lethargie und weitere Beschwerden auszulösen.  

Inzwischen hat die FDA eine Analyse des Zahnungsmittels veranlasst. In einigen Tabletten wurde der Wirkstoff Belladonna in einer wesentlich höheren Konzentration entdeckt, als dies für das Präparat angegeben war. Ein von der FDA geforderter Rückruf des Zahnungsmittels erfolgte bisher von Seiten des Herstellers nicht. Die Behörde rät Eltern von der Gabe des Präparates dringend ab. Eine Einnahme von Belladonna, einer toxischen Substanz, setze Kinder unter zwei Jahren einem unnötigen Risiko aus, die körperliche Reaktion sei nicht vorhersehbar.


Fehler bei der Herstellung

Laut Information von Stern.de führt die Aufsichtsbehörde FDA die erhöhten Belladonna-Werte auf einen Fehler bei der Herstellung des Produktes zurück. Spiegel.de berichtet, dass die Behörde mittlerweile in rund 400 Fällen ermittle, ob diese mit der Einnahme des betreffenden Präparates in Zusammenhang stünden. Darunter seien auch zehn Todesfälle.
Ob die bedauerlichen Todesfälle tatsächlich auf die Einnahme des beanstandeten Zahnungsmittels zurückzuführen sind, werden weitere Untersuchungen ergeben müssen. In jedem Fall kann nicht „die Homöopathie“ für die Todesfälle verantwortlich gemacht werden, sondern allenfalls eine Vergiftung mit Atropin, dem toxischen Wirkstoff der Tollkirsche (Belladonna). Es liegt in der Verantwortung des Herstellers, wenn ein als homöopathisch deklariertes Zahnungsmittel diese Substanz in viel zu hoher, nicht homöopathischer Dosierung enthält.


Entwarnung für Deutschland

Aus Deutschland sind keine vergleichbaren Vorfälle bekannt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bestätigte auf Anfrage von Spiegel.de, dass hierzulande keine Arzneien auf dem Markt sind, die mit den in den USA untersuchten vergleichbar seien. Zwar gebe es sechs homöopathische Mittel, die für Beschwerden beim Zahnen zugelassen seien, es lägen jedoch keine Meldungen über unerwünschte Wirkungen vor. Gegenüber Stern.de äußerte ein Sprecher des BfArM: "Mit Blick auf den Patientenschutz gibt es in Deutschland weitergehende Regelungen, die gewährleisten, dass die Sicherheit von homöopathischen Arzneimitteln vorab durch das BfArM geprüft wird".

Tatsächlich unterliegen homöopathische Arzneien in Deutschland wesentlich strengeren Kontrollen als in den USA. Für die Registrierung und damit Markterlaubnis muss vorab die Sicherheit, für die Zulassung mit Indikationsangabe außerdem die Wirksamkeit der Arzneien belegt werden. Für den Produktionsprozess selbst müssen die Hersteller Nachweise zu Herstellung und Qualität der Arzneimittel vorlegen; Qualitätsmanagement und Einhaltung pharmazeutischer Richtlinien sind eine Selbstverständlichkeit. Darüber hinaus sind homöopathische Arzneimittel, die aus giftigen Ausgangsstoffen hergestellt werden, bis zu der Verdünnungsstufe (Potenz) D3 verschreibungspflichtig. Somit ist in Deutschland sichergestellt, dass homöopathische Arzneien, in denen noch Spuren giftiger Inhaltsstoff enthalten sind, von Patienten nicht zur Selbstmedikation eingesetzt werden können.


Lesen Sie dazu auch die Stellungnahme des Anwenderbündnis zum Erhalt homöopathischer Arzneien (AEHA) "Sicherheit homöopathischer Arzneien in Europa gewährleistet" sowie den Blog-Beitrag von Prof. Harald Walach "Der perfekte Mord? Neue Albernheiten zum Thema Homöopathie". harald-walach.de



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